Öland - der Norden

Der Lange Erik im Norden Ölands ist noch in Betrieb
Der Lange Erik im Norden Ölands ist noch in Betrieb

Der Norden Ölands ist mit seinen feinen Sandstränden an der Westküste ein Paradies für Sommerurlauber. Wer hingegen Ruhe sucht, findet diese an der Felsküste im Westen und in den großen Waldgebieten an der Nordspitze der Insel.


Entlang der alten Küstenstraße

 

Direkt hinter der Brücke, die von Kalmar nach Öland führt, wenden wir uns entlang der Westküste in Richtung Norden. Zuerst folgen wir der Schnellstraße, die hier gut ausgebaut ist. Bald wird uns das aber zu langweilig und wir versuchen, auf die alte Küstenstraße zu gelangen. Nach zwei gescheiterten Versuchen, die einmal direkt auf einem Bauernhof und danach im Nichts enden, finden wir endlich hinter einer Kamelfarm (das ist KEIN Witz) die richtige Abfahrt. Diese führt uns auf den Küstväg, eine gut befahrbaren Schotterpiste, die uns an aufgegebenen Fischerhütten und aktiven Kalksteinbrüchen vorbeiführt.

 

 

Bruddesta Sjöbodar: aufgegebene Fischerhütten am Meer

 

Schon vor vielen Jahren wurde die kleine Fischereistelle (Fiskeläge) von Bruddesta Sjöbodar aufgegeben. Es handelt sich hier nicht um einen wirklichen Hafen, sondern wie so oft an der Westküste Ölands, um eine Ansammlung von Fischerhütten und einigen Seilwinden, mit denen hier kleine Fischerboote an Land gezogen wurden. Schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die aus Ölandkalkstein gebauten Hütten unter Schutz gestellt und so finden wir ein kleines, völlig unspektakulären Freilichtmuseum vor, dass uns trotzdem in die Vergangenheit versetzt. Wir verbringen hier zwei Tage und genießen die Möglichkeit zu langen Spaziergängen entlang der Küste.

 

 

Jordhamn mit seiner historischen Scheuermühle

 

Erholt fahren wir weiter in Richtung Norden, vorbei an aufgegebenen aber auch an aktiven Kalksteinbrüche bis nach Jordhamn. Hier steht in schöner Lage direkt am Meer die letzte erhaltene Scheuermühle Ölands.

 

Kalksteinabbau auf Öland

Der Abbau von Kalkstein, das Brennen und auch das Schleifen des Stein war in vorgangenen  Jahrhunderten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor auf Öland. Der Stein wurde hier nicht nur abgebaut, sondern auch gebrannt und geschliffen. Auch heute wird auf Öland noch Kalkstein abgebaut, der unter anderem  Verwendung für Böden und Treppen findet. Die Bearbeitungsverfahren sind aber deutlich weniger aufwändig als in alter Zeit.

 

In  Jordhamn wurde der in der Umgebung abgebaute Kalkstein in einem langwierigen Prozess plan geschliffen. Durch Windkraft angetriebene Scheuermühlen kamen auf Öland erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Einsatz. Zuvor wurden die Schleifeinrichtungen, die sogenannten Wanderungen, von Rindern und Pferden angetrieben. Durch den neuen Antrieb konnte die Schleifdauer von einer Woche auf etwa einen Tag verkürzt werden.

 

 

Leuchtturm "Langer Erik"

 

An der Nordspitze Ölands folgen wir dann dem kleinen Fußweg zum Leuchtturm "Langer Erik". Der Turm wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Kalkstein erbaut und wies den Schiffern mit einer Öllampe den Weg. Er ist auch heute noch in Betrieb, funktioniert aber vollautomatisch.

 

Achtung: Freilaufende Rinder und Schafe

Am Parkplatz vor dem Leuchtturm Langer Erik grasen wie auch sonst oft auf Öland freilaufende Rinder. Damit diese ihre Weideflächen nicht verlassen können, sind im Boden Weideroste verlegt, die zwar von Fahrzeugen und Menschen, nicht aber von Rindern oder Schafen überwunden werden können. Für Hunde und deren Menschen stellen diese Weiderost aber ebenfalls eine echte Herausforderung dar. Da unser Adi bei dem spontanen Versuch über die Gitter zu belancieren zwischen die Streben gerutscht ist, tragen wir ihn meist auf die andere Seite.

 

 

Nationalpark Trollskogen und Naturreservat Bödakusten

 

Für uns geht es weiter in die Natur zum Nationalpark Trollskogen. Am Nationalpark gibt es einen großen Parkplatz extra für Wohnmobile. Direkt nebenan findet man das Infozentrum "Naturum" des Parks und von hier führen Wanderwege in geschützten ursprünglichen Wald und entlang der Küste. Leider darf man auf dem Parkplatz nicht mehr übernachten und so suchen wir uns außerhalb des Parks einen Platz für die Nacht. Wir finden einen absolut einsamen Waldparkplatz am Naturreservat Bödakusten, von dem aus wir in wenigen Minuten zum Strand gelangen, wo unser Hund außerhalb der Badesaison frei laufen kann.

 

Dieser Sandstrand ist auch der Grund dafür, dass sich an der Westküste nun Campingplatz an Campingplatz reiht und das freie Stehen für Wohnmobile eher schwierig ist. Das ist nicht so wirklich unser Ding und so fahren wir zügig weiter.

 

 

Källa Gamly Kyrka

 

An der Kirchenruine Källa Gamly Kyrka legen wir aber noch einmal einen Fotostop ein. Die erste Kirche soll hier bereits im 11. Jahrhundert errichtet worden sein. Die erhaltene Steinkirche hat ihren Ursprung aber im 13. Jahrhundert und wurde danach mehrfach renoviert, aber schon vor vielen Jahren aufgegeben.

 

Die Kirche und der sie umgebende Friedhof bietet interessante erneut Fotomotive. Wir haben Glück, denn bei unserem Besuch sind gerade Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs dabei, den Rasen zu mähen. Dies ist zwar laut, aber wir haben so die Möglichkeit auch einen Blick ins Innere der Kirche zu werfen. Die Arbeiter haben zum Aufwärmen ihres Mittagsessens drinnen eine Mikrowelle aufgestellt und die Tür offen gelassen. Manchmal muss man einfach Glück haben.

 

 

Unsere Wohnmobil-Stellplätze in Nord-Öland:

 

  • Bruddesta Sjöbodar: Parkplatz vor den Hütten (kein Camping); am Küstenweg selbst ist Fahren und Parken abseits der Straße ist laut der Schilder an der Straße verboten  (56°59'27"N 16°46'58"E)
  • Böda Kusta: Waldparkplatz (zu schön, um ihn preiszugeben)
  • Alternativ: offizieller Wohnmobilstellplatz in Böda Hamn, kostenpflichtig aber mit direktem Meerblick 57°14'25"N 17°04'30"E)

 

 

Tipp: Wohnmobil-Entsorgung/Frischwasser

 

  • Böda Hamn: Entsorgung (Toilettenkassette und Grauwasser) und Frischwasser, beides kostenlos (57°14'21"N 17°04'25"E)

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Fotogalerie: Fischerhütten und historische Scheuermühle in Jordhamn



Fotogalerie: Kirchenruine Källa Gamla Kyrka



Fotogalerie: Naturreservat Bödakusten Östra/Ökopark Böda