Erg Chegaga: Offroad mit dem Sprinter durch die Sahara in Marokko



Luft auf 1,5 bar ablassen
Luft auf 1,5 bar ablassen

Was wäre eine Reise nach Marokko ohne eine Fahrt durch die Wüste. Da wir bisher aber noch keine echte Off-Road Erfahrung gesammelt haben, wollen wir ein solches Unternehmen nicht alleine in Angriff nehmen. Kurz vor Tata lernen wir aber auf einem Campingplatz Dennis, Phil und Nadja kennen, die schon seit einigen Wochen mit ihren 4x4 Sprintern in Marokko unterwegs sind und die als nächste Reiseetappe die Wüste Erg Chegaga von Foum-Zguid nach Mhamid off-road durchqueren wollen.

 

Da wir ein sehr ähnliches Auto haben, bieten sie uns an, sich ihnen anzuschließen. Auf so ein Angebot haben wir gewartet. Dass wir allerdings in den nächsten Tagen, um bei Dennis Worten zu bleiben, als "Sprinter Squad" (Sprinter Geschwader) auftreten würden, haben wir uns nicht träumen lassen.

 

Am Nachmittag treffen wir uns in der Oasenstadt Foum-Zguid, um unsere Autos vorzubereiten. Unsere Trinkwasservorräte haben wir bereits am Morgen in Tata aufgefüllt. Auch wenn Dennis die Route durch die Wüste schon einmal gefahren ist...man weiß ja nie, was kommt.

 

So heißt es jetzt erst einmal "alle Fenster und anderen Öffnungen zu" und vor allem "Luft ablassen". Dennis und wir haben AT-Bereifung auf unseren Fahrzeugen und können den Luftdruck in den Reifen daher deutlich reduzieren. Wir senken auf 1,5 bar ab. Bei den Winterreifen des Sprinters von Phil und Nadja ist unklar, wie weit diese zur Fahrt mit geringem Druck geeignet sind. Die beiden werden es daher mit 2,5 bar versuchen.

 

Am Einsteig zur Piste erwartet uns ein Militärposten mit Schranke. Nach einer kurzen Ausweiskontrolle wird uns der Schlagbaum ins Abenteuer geöffnet.

 

Unsere Fahrzeuge:

  • links: Phil und Nadja: 319 CDI Hymer Kastenwagen, 6-Zylinder mit Standard-Allrad, Automatik und Continental Winterreifen
  • Mitte: Michael und Iris: 316 CDI Autark mit GFK-Kabine von Woelcke, 4-Zylinder mit Standard-Allrad und BF-Goodrich AT Bereifung
  • rechts: Dennis: 313 CDI Selbstausbau Kastenwagen, 4-Zylinder mit permanentem Oberaigner-Allrad, zwei Differentialsperren und BF-Goodrich AT Bereifung

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Hier unser kurzes Video (ca. 2 Minuten):


Erg Chegaga, das ist eine der beiden Sandwüsten Marokkos. Bis 1990 war die Region militärisches Sperrgebiet und so ist sie auch heute noch sehr ursprünglich und praktisch nicht erschlossen. Unserer etwa 150 Kilometer lange Fahrt führt uns über eine Piste, die wir nur anhand von GPS-Daten von pistenkuh.de kennen.

 

Gegen Abend schlagen wir abseits der uns am ersten Tag meist durch karge Steinwüste führenden Piste unser Lager auf. Wir genießen den Abend und backen Pfannenpizza (hier das: Rezept) . Kein Mensch weit und breit, über uns spannt sich der endlose Sternenhimmel, nur das Lagerfeuer verbreitet etwas Wärme. Bei dem Gedanken daran, dass in nur knapp 50km Entfernung die Grenze zu Algerien liegt, könnte allerdings kurz ein mulmiges Gefühl aufkommen.

 

Trotzdem oder gerade deshalb, wir haben eine ruhige Nacht und auch der Sonnenaufgang in der Wüste ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Nacht war eiskalt, aber die ersten Sonnenstrahlen wärmen uns und die Autos sofort auf. Die Hunde, Adi und Ciara, dürfen toben. Wir Menschen lassen den Tag mit dem Kaffeebecher in der Hand auf uns zukommen.

 

Unser Weg führt uns nun mitten durch die Wüste. Die harte Piste ist gut befahrbar, den ganz großen Steinen kann man gut ausweichen. Weiter westlich verändert sich die Landschaft, die ersten Sanddünen tauchen auf. Dazwischen immer wieder komplett ebene Flächen und ab und an sogar etwas Grün, das vor der sonst erdfarbenen Kulisse fast unnatürlich wirkt. Auf hartem Untergrund düsen wir manchmal mit 80 Stundenkilometern durch die Weite.

 

Schon hinter der nächsten Kurve bremst uns aber die Natur aus und wir müssen uns durch puderzuckerfeinen Sand wühlen. Fahren fühlt sich hier teilweise eher an wie Schwimmen und es geht nur im Schritttempo voran. Unser Paul verhält sich auch dank des geringen Luftdrucks sehr gut; im Gegensatz zum Sprinter mit Winterreifen, bleiben weder wir noch Dennis hängen. Sowohl die AT-Reifen als auch unser Allrad-Sprinter bestehen den Wüsten-Test. Ein Freischaufeln bleibt aber heute auch Phil und Nadja erspart, rückwärtsfahren und mit mehr Schwung "nochmal probieren" genügt auch für sie, um weiterzukommen.


Unser Übernachtungsplatz am Morgen
Unser Übernachtungsplatz am Morgen

Mitten im Nichts taucht dann plötzlich die "Titanic" vor uns auf. Nein, das ist keine Fata Morgana, sondern ein kleines Café, das Wüstenfahrern als Anlaufstelle dient. Hier treffen wir auf eine Gruppe von Touristen die mit Jeep und Fahrer einen Abstecher in die Wüste wagen. Diese warnen uns vor dem immer stärker werdenden Wind und einem möglichen Sandsturm. So halten wir uns nicht zu lange auf, trinken nur einen "Nous Nous" und fahren weiterer.

 

Um so näher wir unserem Ziel, der kleinen Stadt M'hamid, kommen, um so häufiger treffen wir nun auf Oasen, Nomaden mit ihren Kamelen und kleine Siedlungen mitten in der Wüste. Hier gäbe es auch die Möglichkeit in einem Camp noch eine weitere Nacht zu verbringen. Da aber immer mehr Sand in der Luft ist, verzichten wir darauf, denn einen Sandsturm in der Wüste zu erleben, ist kein Spaß. Das wollen wir weder und schon garnicht unseren Autos zumuten. In M'hamid endet die Piste und wir fahren auf einen Campingplatz, wo wir uns und unseren Fahrzeugen nach der anstrengenden Fahrt etwas Ruhe und Pflege gönnen wollen.

 

Unser Stellplatz:

  •  Erg Chegaga: 20 km entfernt von Foum-Zguid, irgendwo im Nirgendwo abseits der Piste

 

Impressionen vom Tag:

 

 


unsere Route durch die Wüste: