Die Deutsche Fährstraße (Teil 1)

250 wohnmobilfreundliche Kilometer von Bremervörde nach Kiel

Die "Deutsche Fährstraße" zeigt auf 250 wohnmobilfreundlichen Kilometern, wie der Mensch Gewässer mal mehr und mal weniger konventionell überqueren kann.

 

Begleitet uns auf der Fahrt von Bremervörde bis Kiel entlang von Oste, Elbe und Nord-Ostseekanal, auf der sich rund 50 Brücken, Schleusen, Sperrwerke, Tunnel und Fähren unterschiedlichster Art aneinander reihen.


Unser Bericht über die Fährstraße teilt sich in 3 Teile auf:

  • Teil 1: Entlang der Oste und Elbe (von Bremervörde bis Wischhafen)
  • Teil 2: Entlang des Nord-Ostseekanals (Glückstadt bis nach Kiel): hier
  • Teil 3: alle Wohnmobil-Stellplätze entlang der Route: hier

keine Lust auf die Fährstraße? Dann geht es hier weiter zum ....


Genial für Wohnmobil-Fahrer:

 

Entlang der Deutschen Fährstraße gibt es viele, z.T. kostenlose, wirklich nette Stellplätze (mehr erfahren)




Teil 1: Entlang Oste und Elbe


Natur- und Erlebnispark am Vörder See
Natur- und Erlebnispark am Vörder See

Bremervörde

 

Wir beginnen unsere Tour in Bremervörde, wo zu Beginn des 12. Jahrhunderts der spätere Kaiser Lothar III. die Wasserburg Vörde (mittelniederdeutsch für "Furt") gründete. Natürliche Furten stellen für Mensch und Tier die einfachste Möglichkeit zur Überquerung eines Flusses dar. Im Mittelalter entstanden an diesen strategisch wichtigen Plätzen oft Siedlungen und Handelsniederlassungen; häufig wurden auch Zölle für die Querung erhoben. Nicht immer war die Benutzung gefahrlos möglich. Meist musste man zumindest damit rechnen, nasse Füße zu bekommen, weshalb Furten schnell durch Brücken ersetzt wurden.

 

So erinnert auch hier in Bremervörde heute nur noch der Namensbestandteil "Vörde" und eine hölzerne Fußgängerbrücke an gleicher Stelle an die einst so wichtige Passage über den Fluss.

 

Neben der Altstadt lohnt der etwas außerhalb gelegene Natur- und Erlebnispark am Vörder See einen Besuch. Auf der Seebühne finden im Sommer Veranstaltungen statt; Themengärten laden zum Schlendern ein und auch Gastronomie ist vorhanden. Auch der Wohnmobilstellplatz der Stadt ist hier zu finden. Uns zieht aber besonders die nicht nur für Kinder reizvolle "Welt der Sinne" in ihren Bann, wo auch Erwachsene neue Erfahrungen zum Thema Sinneswahrnehmungen machen können.

 

 

Gräpel

 

Nur wenige Kilometer weiter liegt das kleine Örtchen Gräpel, wo gleich eines der Highlights unserer Reise wartet. Am "Gasthof Plate" ist die letzte handbetriebene Pramfähre Deutschlands in Dienst, die auch heute noch Passagiere gegen ein kleines Entgelt über die Oste transportiert. Betrieben wird die Fähre von den Wirtsleuten des angrenzenden Gasthofs.

 

Einfach während der Betriebszeiten die Glocke läuten oder im Gasthof nachfragen - schon kann die Reise losgehen. Wir wagen uns samt Wohnmobil auf die Fähre, um auf dem direkt nebenan gelegenen Wohnmobilstellplatz Quartier zu beziehen, bevor wir uns auf der Terrasse des Gasthauses bei einem gepflegten Bier von der Wirtin Karin Plate die Geschichte der Fähre erzählen lassen:

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Natur- und Erlebnispark am Vörder See


Mit der Prahmfähre im Handbetrieb über die Oste

Handbetrieb: Unser Paul auf der Prahmfähre Gräpel
Handbetrieb: Unser Paul auf der Prahmfähre

 

"Um das auf der gegenüberliegenden Flussseite gelegene Ackerland erreichen zu können, waren die Bauern der Gemeinde lange Zeit auf eine tideabhängige Furt angewiesen. Der Tidenhub beträgt hier bis zu 2 Meter und so kam später ein Floß zum Einsatz, um auch bei Flut auf die andere Seite gelangen zu können. Um 1910 wurde von den Bauern eine einfache Prahmfähre, eine flache Fähre ohne eigenen Antrieb, in Dienst gestellt, die an einem Seil gezogen, auch Wagen über den Fluss bringen konnte.

 

Der Gastwirt des angrenzenden Gasthofs war lange Zeit der Fährmann und so betrieb auch Karin Plates Vater die Fähre weiter, als er den Gasthof übernahm. Heute erinnert die Skulptur "Ostegucker" am Fähranleger an den weithin bekannten Fährmann.

 

Restaurant-Tipp:
"Gasthof Plate" in an der Prahmfähre in Gräpel. Der gemütliche Biergarten des Lokals liegt direkt an der Oste.

 

Weiter geht es entlang der Oste in Richtung Großenwörden, vorbei an der motorbetriebenen Prahmfähre von Brobergen, durch Wiesen- und Weideflächen, die zu Fahrradtouren einladen.

 

Alternativ kann man von hieraus das in westlicher Richtung gelgene "Hohe Moor" besuchen. Hier gibt es auch einen doch etwas aussergwöhnlichen Stellplatz unter Storechnestern. Mehr erfährst Du hier:

Ein schönes Ziel ist beispielsweise der Vogelbeobachtungsturm in der Nähe von Laumühlen (N53°37'02", O 9°11'05"), der einen guten Blick über die Landschaft gewährt.

 

Himmelpforten

 

Unweit des Flusses liegt die Gemeinde Himmelpforten, die zur Weihnachtszeit besondere Bedeutung erlangt, denn hier gibt es seit den 1960er Jahren ein Weihnachtspostamt, an das Kinder aus aller Welt ihre Weihnachtspost richten können. Wer will, kann sich hier auch ganzjährig mit Weihnachtsdekoration versorgen.

 

Schwebefähre in Hemmoor

 

Zurück an der Oste trifft man auf eine technische Besonderheit. Hier verbindet eine der letzten betriebsfähigen Schwebefähren der Welt die Orte Hemmoor und Osten - allerdings nur für Fußgänger und Radfahrer; Autofahrer nehmen die nahegelegene Brücke. Auf dem Zuweg zur Fähre in Hemmoor informieren Tafeln über die insgesamt nur 8 Fähren dieser Art weltweit.

 

Fährmann Thomas Schult vor einer der letzten betriebsfähigen Schwebefähren in Hemmoor
Fährmann Thomas Schult vor einer der letzten betriebsfähigen Schwebefähren in Hemmoor

Unser Fährmann, Thomas Schult, der wie seine Kollegen auf der Schwebefähre und den Pramfähren ehrenamtlich tätig ist, ist im Hauptberuf Redakteur bei den Cuxhavener Nachrichten und der Niederelber Zeitung und weiß viel über die Region und ihre Besonderheiten zu berichten. So erfahren wir, dass die hiesige Schwebefähre 1909 von den Einwohnern des einst wohlhabenden Ortes Osten gebaut wurde und hören von den Schwierigkeiten des Hochwasserschutzes entlang der Oste.

 

Auch die nahegelegene St. Petri Kirche zeugt in Osten vom Wohlstand vergangener Zeiten, wurde sie doch Mitte des 18. Jahrhunderts vom gleichen Baumeister wie der Hamburger Michel im Barockstil errichtet. Das Café gleich nebenan ist von Freitag bis Sonntag ab 14 Uhr geöffnet und bietet Kuchen und Torten in netter Atmosphäre.


Zementmuseum in Hemmoor
Zementmuseum in Hemmoor

Zementmuseum

 

In Hemmoor gibt die dauerhaft zugängliche Freiluftausstellung des sehenswerten Zementmuseums einen Einblick in die Herstellung des einst weltweit begehrten "grauen Golds".

 

Der unweit gelegene Kreidesee verdankt seinen Namen einem der Grundstoffe des Zements: der "Kreide", von der hier bei der Suche nach Braunkohle 1859 große Vorkommen gefunden wurden. Das angrenzende erd- und frühgeschichtliche Museum öffnet von April bis September Sonntags von 14 - 17 Uhr seine Pforten.

 

Oberndorf

 

Unser Weg führt uns weiter entlang der historischen Ostedeichroute in Richtung Oberndorf, einem kleinen, sehenswerten Ferienort. Nah am Deich steht die Kirche St. Georg aus dem 17. Jahrhundert mit ihrem bereits um 1300 errichteten Turm, die in den Sommermonaten von ehrenamtlichen Kirchenwächtern von 15 bis 18 Uhr geöffnet wird.

 

Zur Rast lädt das festliegende Restaurantschiff "Ostekieker" direkt bei der Kirche ein, neben dem eine Stör-Skulptur nicht nur an den ausgerotteten Fisch und die Anstrengungen zu seiner Wiederansiedlung erinnert, sondern auch anzeigt, ob gerade auf- oder ablaufendes Wasser herrscht.

 

Die Flutstände an den Häusern erinnern daran, das man hier nicht nur am, sondern mit dem Wasser leben muss. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu großen Deichbrüchen, zuletzt 1962 im Rahmen der großen Sturmflut, die auch Teile Hamburgs überflutete.

 

Im flussabwärts gelegenen Örtchen Neuhaus kommen nun nicht nur Freunde von Seefahrt und Flussromantik auf ihre Kosten.

 

Einkaufs-Tipp:

Liebhaber feiner Spirituosen sollten unbedingt in der Destillerie "G.F. Ulex Nachfolger" und der angeschlossenen kleinen Gaststätte vorbeischauen, um die diversen Spezialitäten zu probieren und bei Gefallen auch mitzunehmen. Uns hat es besonders der "Oste Aquavit" angetan, der uns in dem seit 1795 bestehenden Familienbetrieb von den Vertretern der jüngsten Generation, Svenja und Silka Schlichting, zur Verkostung angeboten wird.

 

 

Zementmuseum in Hemmoor

 Destillerie Ulex in Neuhaus

 

 

Natureum Niederelbe

 

Kurz hinter Neuhaus fließt die Oste nun in die Elbe. Hier bietet das Natureum Niederelbe Informationen zu Landschaft, Geschichte sowie Flora und Fauna des großen Stromes. Im 2014 erbauten Eingangsbereich empfängt den Besucher das beeindruckende Skelett eines 1997 vor Cuxhaven gestrandeten Pottwals. Im Übrigen ist die Anlage schon etwas in die Jahre gekommen, aber insbesondere für Familien durchaus einen Besuch wert.

 


weiter geht es entlang der Elbe ...


Wildvogelreservat Nordkehdingen

 

Für PKWs und Campingbusse unter 2,8t geht es nun weiter über das Ostesperrwerk, das die Oste und das angrenzende Land vor Sturmfluten schützt. Alle anderen müssen ein kurzes Stück zurück nach Neuhaus fahren, um über die dortige Brücke ins Kehdinger Land und zum Wildvogelreservat Nordkehdingen zu gelangen.

 

  Wildvogelreservat Nordkehdingen
Wildvogelreservat Nordkehdingen

 

 

Das zur Gemarkung des Ortes Balje gehörende Moor- und Marsch-Gebiet mit seinen Ackerflächen liegt zum Teil unter dem Meeresspiegel und wurde früher regelmäßig überflutet. Erst durch eine umfassende Eindeichungen wurde es dauerhaft gegen Sturmfluten gesichert. Heute ist das EU-Vogelschutzgebiet Heimat sowie Durchzugsstation für viele Vogelarten, darunter auch Kampfläufer und Uferschnepfen.

 

Ausflugs-Tipp:

Von März bis Juni und von September bis Dezember startet in Freiburg an der Elbe jeden Samstag der Vogelkieker, ein Doppeldeckerbus, zu Naturerlebnisfahrten für Jedermann (mehr Infos unter: www.vogelkieker.de).

 

Seit 2012 ist auch der 1903 errichtete historische Leuchtturm im Juli und August außer montags und freitags von 10 - 18 Uhr wieder für Besucher geöffnet.

 

 


Fähre Glückstadt - Wischhafen

Die Fährstraße führt uns nun weiter nach Wischhafen und hinüber über die hier etwa 3,5 Kilometer breite Elbe nach Glückstadt. Abhängig vom Verkehrsaufkommen und davon wie viele der vier zur Verfügung stehenden Fähren im Einsatz sind, kann es hier zu Wartezeiten kommen.

 

 

Fähre Glückstadt -Wischhafen vom Wohnmobilstellplatz in Glückstadt aus
Fähre Glückstadt -Wischhafen vom Wohnmobilstellplatz in Glückstadt aus

Die Fahrzeit beträgt etwa eine halbe Stunde, die man nach Zahlung des Fahrpreises nutzen sollte, um das Fahrzeug zu verlassen. So kann man sich den Fahrtwind um die Nase wehen lassen und vielleicht einem vorbeifahrenden großen Frachtschiffe auf seinem Weg von oder nach Hamburg hinterherschauen.

Stadtdenkmal Glückstadt an der Deutschen Fährstraße
Stadtdenkmal Glückstadt

Glückstadt wurde 1617 von Christian IV, König von Dänemark und Norwegen, gegründet und am Reißbrett entworfen. Der historische, annähernd sechseckige Grundriss sowie die Altstadt sind bis heute fast vollständig erhalten. Den Mittelpunkt bildet der Marktplatz mit dem Rathaus und der Kirche, welcher vom Fleth unterbrochen wird. Die Gastronomie rund um den Marktplatz ist vielfältig.

 

Mehr zu Glückstadt: hier

Restaurant-Tipp:

Unser persönliches Highlight in Glückstadt ist das Lokal "Kleiner Heinrich", das seinen Namen auf ein Schiff zurückführt, mit dem die Glückstädter vor langer Zeit vor Grönland auf Walfang gingen, und das in rustikal-maritimem Ambiente gehobene lokale Küche bietet.

 

 

Wir trennen uns nun von der Elbe und fahren weiter durch die Wilstermarsch, einer der vier holsteinischen Elbmarschen. Es gilt nun die Stör zu überqueren, wofür sich die über das in den 70er Jahren als Sturmflutschutz erbaute Störsperrwerk führende Bundesstraße anbietet.

 

Ist das Sperrwerk wie bei unserem Besuch für den Verkehr gesperrt, weicht man auf die zwischen den Gemeinden Beidenfleth und Bahrenfleth verkehrende Seilfähre "Else" aus, denn die nächste Querungsmöglichkeit gibt es erst wieder 12km flussaufwärts mit der Klappbrücke bei Heiligenstedten.



Impressionen


Weiter zu Teil 2 der Deutschen Fährstraße:


 

 

 

 

Besuche seit 26.12.2021:

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