Der Neusiedler See

großer Steppensee an der österreich-ungarischen Grenze

Ziehbrunnen am Neusiedler See
Ziehbrunnen am Neusiedler See

Anreise über Österreich


Bei Aggstein verlassen wir die Donau und fahren in den Dunkelsteiner Wald, der sich zwischen Fluss und Alpenvorland ausbreitet. Die Strecke führt uns in Richtung St. Pölten, der Landeshauptstadt von Niederösterreich. Da wir bewusst auf ein Pickerl verzichtet haben, achten wir darauf, die Autobahnen zu meiden und bleiben stattdessen auf den kleineren, landschaftlich reizvolleren Straßen.

 

Um den Großraum Wien nicht durchqueren zu müssen, nehmen wir eine großzügige Umfahrung und gelangen so in den Wienerwald. Dieser bildet den östlichsten Ausläufer der Alpen und ist für viele Wiener ein wichtiges Naherholungsgebiet. Gleichzeitig steht ein großer Teil des Wienerwaldes unter dem Schutz eines UNESCO-Biosphärenreservats, was man unterwegs immer wieder spürt: Die Landschaft wirkt ruhig, weit und erstaunlich naturbelassen.


Der Neusiedler See


typische Landschaft um den Neusiedler See
typische Landschaft um den Neusiedler See

Der Neusiedler See liegt direkt an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn und erstreckt sich – ebenso wie die ihn umgebenden Schutzgebiete – über beide Länder. Als größter abflussloser See Mitteleuropas gehört er zu den wenigen echten Steppenseen Europas. Charakteristisch ist sein breiter Schilfgürtel, der den See fast vollständig umschließt.

 

Eingebettet in die kleine ungarische Tiefebene präsentiert sich der See in einer Landschaft, die in Mitteleuropa ihresgleichen sucht. Die weiten Ebenen erinnern an die Puszta, eine baumarme Steppenlandschaft, deren Flora teilweise eher an Regionen des Nahen Ostens erinnert als an Österreich.

 

Dazu kommen ausgedehnte Weinbaugebiete und einzigartige Lebensräume wie die sogenannten Lacken – flache, salzhaltige Gewässer, die je nach Niederschlagsmenge periodisch austrocknen. Diese Salzlacken sind ökologisch hochsensibel und bieten spezialisierten Pflanzen- und Tierarten einen Rückzugsraum, den man sonst kaum findet.

 

Eigentlich ist die Region für ihren außergewöhnlichen Vogelreichtum bekannt. Unzählige Zugvögel nutzen den See als Rast- und Brutgebiet, und viele seltene Arten lassen sich hier beobachten. Leider haben wir diesmal nur wenig davon zu Gesicht bekommen – wahrscheinlich lag es am Wetter und vor allem an der Jahreszeit - es ist November.

 

Die Weite und Ruhe der Landschaft wirken dennoch beeindruckend.

 

Geschützt wird diese einzigartige Kulturlandschaft durch zwei Nationalparks: Auf österreichischer Seite durch den Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel, auf ungarischer Seite durch den Nationalpark Fertő–Hanság:

Infobox: 

 

Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel
Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel liegt im österreichischen Burgenland und umfasst die östlichen Uferbereiche des Neusiedler Sees sowie die weite Steppenlandschaft des Seewinkels.

 

Die Mischung aus flachem Steppensee, riesigen Schilfgürteln, offenen Wiesen und den typischen Salzlacken macht das Gebiet unglaublich abwechslungsreich. Diese kleinen, salzhaltigen Gewässer sind in Mitteleuropa fast einzigartig und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen geschützten Lebensraum.

 

Besonders bekannt ist der Nationalpark für seine beeindruckende Vogelwelt: Über 300 Arten nutzen die Region zum Brüten, Rasten oder Überwintern. Auch traditionelle Nutzungsformen wie die extensive Beweidung mit Graurindern oder Wasserbüffeln gehören bewusst zum Konzept und helfen dabei, die offene Landschaft zu erhalten. So verbinden sich Naturschutz, Kulturlandschaft und nachhaltige Nutzung auf engem Raum.

 

Da wir im November unterwegs sind, haben wir von der Vogelwelt nicht viel gesehen, aber wir kommen wieder. 

 

der Fertő–Hanság-Nationalpark

Direkt angrenzend liegt auf ungarischer Seite der Fertő–Hanság-Nationalpark. Auch hier prägen große Schilfflächen, Feuchtwiesen, Moore und Auen das Bild – ein wichtiger Rückzugsraum für viele seltene und bedrohte Arten.

 

Wie in Österreich spielt auch der Vogelzug eine zentrale Rolle, denn zahlreiche Arten nutzen die Region als bedeutende Station zwischen Nord- und Südeuropa. Dazu kommen spezialisierte Pflanzen, Amphibien und Insekten, die perfekt an die wechselnden Wasserstände angepasst sind.


Das Gebiet rund um den Neusiedler See beherbergt nicht nur die zwei Nationalparks, sondern gehört darüber hinaus zum UNESCO‑Welterbe. Die Welterbe-Zone deckt sich im Wesentlichen mit den beiden Schutzgebieten und ihren Randzonen. Geschützt wird hier eine Kulturlandschaft, die seit rund 8000 Jahren als Begegnungsraum verschiedener Kulturen dient. 

Ungarische Graurinder
Ungarische Graurinder

Die Region war immer ein Übergangsgebiet zwischen Ost und West und die Spuren dieses langen interkulturellen Entwicklungsprozesses sind bis heute sichtbar – in der Siedlungsstruktur, in der Landwirtschaft, in der Architektur und nicht zuletzt in der Vielfalt der hier lebenden Menschen.

überall zu finden: Wasserbüffel
überall zu finden: Wasserbüffel

Unsere Fahrt führt uns durch die offene Landschaft, vorbei an ungarischen Graurindern, Wasserbüffeln und Schafen, die sich die weitläufigen Weideflächen mit den Zieseln teilen.

Diese traditionellen Weidegebiete werden auch Hutweiden genannt – „Hut“ im Sinne von „behüten“ oder „hüten“. Sie prägen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild und sind ein wichtiger Bestandteil der regionalen Kulturlandschaft.

immer wieder zu sehen: Ziesel
immer wieder zu sehen: Ziesel

Zwischen den Weideflächen wechseln sich Weinbau und Gemüseanbau ab, und im sehr empfehlenswerten Informationszentrum des Nationalparks Neusiedler See erfahren wir, dass der Gemüseanbau einst von rumänischen Bauern in diese Region gebracht wurde. Ein kleines Detail, das zeigt, wie eng hier Natur- und Kulturgeschichte miteinander verwoben sind.

  • Nationalpark Neusiedler See / Seewinkel
  • GPS 47.77097, 16.80233

Außerdem bietet die Region noch zwei besondere Raritäten für Ornithologen – und dazu ein wirklich spektakuläres Naturerlebnis.

Dieser bunte Vogel brütet hier im Sommer:


Bienenfresser


Archivfoto: fotografiert in Deutschland
Archivfoto: fotografiert in Deutschland

Der Bienenfresser ist eine farbenfrohe Vogelart, die in Europa vor allem in offenen, trockenen Landschaften mit sandigen Böden vorkommt. Er brütet in selbstgegrabenen Höhlen in Steilwänden oder Sandgruben und ernährt sich überwiegend von großen Insekten wie Bienen, Wespen und Libellen, die er geschickt im Flug fängt und vor dem Fressen von ihrem Stachel befreit.

 Eine Steilwand in Seenähe beherbergt eine Brutkolonie von Bienenfressern. Die bunten Vögel halten sich hier allerdings nur von Mai bis August zur Aufzucht ihrer Jungen auf und sind jetzt schon wieder auf dem Weg in den Süden.

 

Start zur Kolonie südlich von Weider am See:

  • Gasthaus Steckerlfisch
  • GPS 47.9190, 16.8779
im Sommer wohnen hier die Bienenfresser
im Sommer wohnen hier die Bienenfresser

Auch in Deutschland gibt es mehrere Orte, an denen man gut Bienenfresser beobachten kann: mehr mehr erfahren


Großtrappen


Archiv-Foto: Männchen der Großtrappe bei der Balz
Archiv-Foto: Männchen der Großtrappe bei der Balz

Im Gebiet Hanság an der Grenze zu Ungarn leben Großtrappen. Diejenigen, die unseren Blog schon länger verfolgen, wissen was kommt: „Wir machen uns einmal mehr auf die Suche nach der Großtrappe“:

 

 

Rund um den Neusiedler See gibt es noch einige andere Bereiche, an denen man mit etwas Glück Großtrappen sehen kann. Die Landschaft ist weit, offen und die Tiere sensibel – entsprechend zurückhaltend ist die Besucherlenkung. Beobachtungen gelingen fast immer nur aus großer Distanz.

Trappen - Aussichtsturm LIFE Great Bustard Andau
Trappen - Aussichtsturm LIFE Great Bustard Andau

 

  • Zwischen Andau und Tadten
    Das Kerngebiet der österreichischen Großtrappenpopulation liegt zwischen Andau und Tadten. Die weiten Wiesenflächen bieten gute Chancen, vor allem im Frühjahr während der Balz. Das Gebiet ist streng geschützt:

    Aussichtsturm LIFE Great Bustard Andau: GPS 47.7316, 17.0533
     
  • Umgebung der Andauer Brücke
    Rund um die Andauer Brücke öffnet sich eine Agrarlandschaft mit langen Sichtachsen. Immer wieder lassen sich hier Trappen beobachten, besonders im zeitigen Frühjahr. Ein Spektiv ist sinnvoll, denn die Distanzen sind groß.
     
  • Tadten – St. Andrä – Zicksee‑Achse
    Zwischen Tadten, St. Andrä und dem Zicksee liegen klassische Trappenwiesen. Die Flächen werden regelmäßig als Balz- und Nahrungsgebiete genutzt. Auch hier gibt es keine Besucherplattformen, aber von den Feldwegen aus hat man gute Chancen auf weite Blicke in die Landschaft.

Im gesamten Großtrappenschutzgebiet des Seewinkels existieren leider keine offiziellen Beobachtungstürme. Der Schutzstatus ist hoch und man setzt bewusst auf Abstand statt Infrastruktur. Das unterscheidet die Region deutlich vom 👉 Havelländischen Luch in Deutschland, wo Türme gezielt zur Besucherführung gebaut wurden. 

 

Allerdings bleibt diese wieder einmal erfolglos. Bei einem Bestand von 100 bis 150 Tieren und einer Fluchtdistanz von 500 m ist das aber keine große Überraschung. Eine große Menge an Greifvögeln, die herrliche Landschaft und ein Skulpturenpark, der an die Vertreibung von 70.000 Menschen nach dem Ungarnaufstand im Jahr 1956 erinnert, entschädigt uns dafür.

Im Herbst und Winter


Die große Show der Stare


Rund um den Neusiedler See sind Stare allgegenwärtig. Die offene Landschaft mit Feldern, Weinbergen und Schilfgürteln bietet ihnen ideale Bedingungen, und besonders am späten Nachmittag sieht man sie in größeren Gruppen unterwegs. Die Schwärme verändern ständig ihre Form, wirken aber nie spektakulär inszeniert, sondern einfach wie ein natürlicher Teil dieser weiten Ebene.

Die "Schwarze Sonne" - tausende Stare sammeln sich in Schwärme
Die "Schwarze Sonne" - tausende Stare sammeln sich in Schwärme

Wenn die Stare am Abend im Schilf einfallen, entsteht ein dichtes, vielstimmiges Zwitschern, das man schon von weitem hört. In den Weinbaugebieten sind sie nicht immer beliebt, weil sie reife Trauben mögen, doch auch das gehört hier zur alltäglichen Nutzung der Landschaft.

Rund um den Neusiedler See gibt es auch große Weinbauflächen. Reife Trauben sind für Stare sehr attraktiv. Wenn sich mehrere Tausend Vögel gleichzeitig auf einer Fläche niederlassen, kann das innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen Schäden führen. Mit kleinen Flugzeugen versuchen die Weinbauern, den Schaden so gering wie möglich zu halten. 

Der viele Wein lockt die Stare an
Der viele Wein lockt die Stare an

Schon gewusst?

Wo kann man die Schwarze Sonne hervorragend beobachten? 👉 Hier in Deutschland!

 


Unser Wohnmobilstellplatz:


Wohnmobilstellplatz bei eine Weinbauern mit Restaurant
Wohnmobilstellplatz bei eine Weinbauern mit Restaurant

Die Nächte verbringen wir im Heurigen Fabian mit angeschlossenem Stellplatz. Das Lokal unterscheidet sich durch sein modernes Ambiente von anderen Heurigen. Uns haben es besonders die "Kostpakete" angetan, in denen jeweils vier unterschiedliche Rot- oder Weißweine in 1/8 l Gläsern zusammen mit etwas Brot und einigen kulinarischen Kleinigkeiten zur Verkostung  angeboten werden.

Unser Wohnmobil-Stellplatz:

Weinprobe beim Heurigen Fabian
Weinprobe beim Heurigen Fabian

Der junge Winzer und Wirt Fabian Sloboda erklärt uns, dass sein innovatives Konzept gut mit den Bedürfnissen der Wohnmobilisten harmoniert. Viele der Wohnmobilfahrer seien echte Weinliebhaber, die meist nur durch Mundpropaganda zu ihm gelangten.



für uns geht es von hier weiter nach Ungarn:


ZM/11.000

 

 

 

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1 Umsatzsteuerbefreit gemäß § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung)