Schnee im Sommer


Wir hatten den perfekten Tag für die Mitternachtssonne am Nordkap erwischt. Heute herrscht nämlich wieder das für hier typische Wetter: kalt, grau und neblig. Wir ergreifen die Flucht und tatsächlich - hinter der nächsten Bergkette klart es auf.

 

Wir entschließen uns daher, eine Bootstour zu einem bekannten Vogelfelsen mitzumachen. Als wir im Hafen ankommen, heißt es: "Abfart ist in  5 Minuten". Sobald der Bus mit einigen Passagiere der Hurtigrouten-Linie ankommt, muss es sofort losgehen, da diese einen straffen Zeitplan haben. Warten ist nicht. Wir kramen in Windeseile unsere Ausrüstung zusammen, hüpfen in die langen Unterhosen und andere warme Sachen und stürmen - wohlgemerkt ohne Frühstück - los.

 

Leider sind wir von unserer Alaska-Tour etwas verwöhnt und so erscheint uns die zweistündige Fahrt nicht allzu spektakulär. Wir sehen allerdings diverse Adler, Lummen, Papageientaucher, eine Basstölpel- und eine Dreizehenmöwenkolonie wie auch Robben und können uns eigentlichlich nicht beschweren. Das Fotografieren fällt aufgrund des Seegangs schwer, da das Boot heftig in den Wellen rollt. Wir sind ständig dabei unser nicht allzu handliches Equipment zu sichern. Ich habe darüber hinaus mit leichter Seekrankheit zu kämpfen. Wir sind aber trotzdem froh mitgefahren zu sein. - Es ist wieder einer dieser Tage, die in der Erinnerung wirken wie ein Film.

 

Es schneit und stürmt. Trotzdem wagen wir einen Abstecher nach Hammerfest, der nördlichsten oder, wenn man einige deutlich kleinere Orte einbezieht, zumindest einer der nördlichsten Städte Europas. 

Hammerfest wurde gegen Ende des zweiten Weltkriegs von den abziehenden deutschen Truppen vollständig zerstört. Historisches ist daher nicht zu erwarten. Die Stadt lebt vom Fischfang und von der offshore Gas- und Ölförderung sowie der zugehörigen Industrie. Hier steht beispielsweise eine der größten Gasverflüssigungsanlagen. 

Bemerkenswert ist noch der im Stadtzentrum zu findende Messpunkt des Struve-Bogens, einem sich mit seinen diversen Messpunkten bis nach Russland erstreckenden Erd-Vermessungsprojekts aus dem 19. Jahrhundert, das zum Welterbe UNESCO gehört.

Der mittlerweile zum Sturm mutierte Wind treibt uns weiter durch das verschneit und baumlose Inland. Die Landschaft ist praktisch nicht zu beschreiben und noch schwerer im Bild festzuhalten. 

Wir nähern uns der nächsten Stadt - Alta- und plötzlich, ohne Vorwarnung ist die Schneelandschaft Geschichte. Ein Fjord öffnet sich vor uns, schneefrei und fast windstill.
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