Polarlichter erfolgreich fotografieren: Tipps und Tricks


Tipps zum Fotogafieren von Polarlichter in Skandinavien
Polarlichter mit einem See als Vordergrund

Polarlichter fotografieren

 

.... das hört sich nicht ganz einfach an. Aber wer sich ein wenig vorbereitet, hat gute Chancen auf tolle Fotos.

 

Für gute Ergebnisse ist keine Profikamera notwendig, In der Regel reicht eine normale Kamera, an der man die Automatikfunktionen ausschalten kann. Das ist an den allermeisten Kameras möglich.

 

Grundvoraussetzung für die Polarlichtfotografie ist es, an der Kamera einige Einstellungen vorzunehmen, die die meisten Fotografen im Alltag selten oder gar nicht benutzen. Dazu sollte man sich schon im Vorfeld vorbereiten, denn am Abend der Polarlichter ist das eindeutig zu spät.

 

 

eine Gute Vorbereitung ist der beste Weg zum Erfolg:

 

Wer Polarlichter fotografieren möchte, sollte daher in drei Schritten vorgehen:

 

1. Schritt: Vorbereitung zuhause

 

Zuhause sollte man sich Gedanken zur Ausrüstung und zu den Kameraeinstellungen machen. Fangen wir mit der Ausrüstung an:

  • Kamera: In der Regel reicht ein normales Model.
  • Objektiv: Am Besten sollte es ein Weitwinkelobjektiv sein. Wenn möglich hat dieses mindestens eine Lichtstärke von f/2.8. Aber auch mit einem Objektiv mit einer Lichtstärke von f/3,5 oder f/4.0 sind durchaus gute Aufnahmen möglich.
  • Stativ: Da Polarlichter recht dunkel sind, ist ein Fotografieren aus der Hand  quasi nicht möglich. Aus diesem Grund gehört ein Stativ zur Grundausstattung. Wer sich ein Stativ kauft, sollte darauf achten, dass es schwingungsarm ist und für die vorhandene Kamera passt. Ein zu leichtes und labiles Stativ bringt die Kamera zum Schwingen, sobald ein wenig Wind aufkommt. Hier sind ein paar Euro mehr sicherlich gut investiertes Geld.
  • Selbstauslöser:
    Voreinstellen des Selbstauslösers auf eine Vorlaufzeit von mindestens 2 Sekunden.

    Alternativ
    .... kann man einen Fernauslöser nutzen. Es gibt Fernauslöser, die kabelgebunden bzw. kabellos funktionieren. Da es bei den Aufnahmen vor Polarlichtern oft sehr kalt ist und drahtlose Fernauslöser bei großer Kälte oft ihr Funktion einstellen, sollte man auf ein Model mit Kabel zurückgreifen.
  • Es kann nie schaden, einen zweiten Akku für die Kamera bereit zu halten. Das Fotografieren von Nordlichtern braucht reichlich Strom. Die Kälte tut das Ihrige dazu.
  • Taschenlampe: Am besten hat man eine Stirnlampe dabei. Aber Vorsicht: Das Licht einer Taschenlampe kann anderen Fotografen vor Ort schnell die Aufnahmen verderben.
  • Sinnvoll sind auch Handschuh. Meist ist es in den Nächten mit Polarlichtern klirrend kalt. Wer ein wenig mehr Geld ausgeben möchte, kauft sich Handschuh, bei denen sich die Fingerkuppen umklappen lassen.

 

Um in der Nacht mit den Polarlichtern keinen Schiffbruch zu erleiden, sollte man sich bereits zuhause mit seiner Kamera auseinander setzen. Es sind ein paar Einstellungen nötig, die die meisten im Alltag eher nicht benutzen. Sind die Polarlichter endlich zu sehen, ist es dunkel und damit definitiv der falsche Moment sich durch das Kameramenue zu wühlen oder die richtigen Knöpfe zu suchen. Die eigene Aufregung in diesem besonderen Moment tut das Übrige.

 

Diese Einstellungen sollte man daher bereits kennen:

  • Wie schalte ich den Autofokus ab?
  • Wie schalte ich die Belichtungsautomatiken ab und stelle die Kamera auf "Manuel" (meist M)
  • Wie kann ich herausfinden, ob meine Kamera die ISO-Automatik eingeschaltet ist und wie stelle ich sie gegebenenfalls aus.
  • Wie stelle ich die Entfernung am Objektiv manuell auf unendlich (liegende Acht)
  • Wie stelle ich manuell eine gewünschte Blende ein?
  • Wie stelle ich manuell eine gewünschte Belichtungszeit ein?
  • Wie stelle ich manuell eine gewünschte ISO ein?

Wer sich damit nicht auskennt oder wem das zu kompliziert ist, sollte einen Freund fragen, der einem das erklären kann. Es lohnt sich auf jeden Fall.

 

Draußen unter den Polarlichtern ist es stockdunkel und das Hantieren mit der Kamera sollte daher "blind" funktionieren. 

 

 

Schritt 2: Vorbereitungen am Abend der Polarlichter

 

Bevor man vor die Tür zu den Nordlichtern geht, sollte man im Hellen an der Kamera folgende 8 Punkte einstellen:

  1. Autofokus abschalten
  2. Umstellen der Kamera auf manuellen Belichtungsmodus (meist M)
  3. falls nötig: Ausstellen der ISO-Automatik
  4. manuelles Einstellen der Entfernung auf unendlich
  5.  Belichtungszeit auf 15 Sekunden
  6. die Blende auf die größte Blendenöffnung (=kleinste Blendenzahl)
  7. ISO-Werte auf 800 einstellen
  8. Einstellen des Timers auf 2 Sekungen Vorlaufzeit

Jetzt sollte man die Kamera noch auf das Stativ setzten und den Ersatz-Akku nahe am warmen Körper einstecken und los gehts ....

 

Ach ja ... noch eins:

Dass der Blitz bei der Polarlichtfotografie ausgeschaltet ist, versteht sich hoffentlich von selbst.

 

 

Schritt 3: Draußen vor der Tür

 

Bevor man loslegt, sollte man sich ein paar Gedanken über die Bildgestaltung machen.

Eine Aufnahme nur vom Himmel ohne Vordergrund wirkt langweilig. Die schönsten Aufnahmen sind die, auf denen man im Vordergrund eine Landschaft, einen Ort oder einen See sieht. Steht nicht davon zur Verfügung, kann man sein Wohnmobil oder einen Menschen in den Vordergrund stellen.

 

Wer Glück hat, erwischt einen Zeitpunkt, in dem der Mond die Landschaft automatisch ins richtige Licht rückt. Ist aber kein oder nur wenig Mondlicht vorhanden, muss man selber dafür sorgen, dass der Vordergrund etwas Licht bekommt.

 

Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass keine andere Fotografen vor Ort sind. Wenn man sicher ist, niemand anderen zu stören,  kann man mit einer Taschenlampe den Vordergrund leicht aufhellen. Dazu reicht es aus, die Taschenlampe nur für einen Bruchteil einer Sekunde kurz anzuschalten. Dies erreicht man am besten, wenn man die angeschaltete Lampe mit der Hand abdecken und das Licht nur kurz freigibt. Hier sind in der Regel einige Versuche notwendig, um ein Gefühl für das Licht aus der Taschenlampe zu bekommen. Man kann mit dem Licht aber auch ein wenig spielen und z.B. das Wohnmobil kurz von hinten anleuchten.


Polarlichter fotografieren: Tipps  über Belichtung Verschlußzeit, Blende, ISO Einstellungen
Da kein Vordergrund zur Verfügung steht, muss Iris mit auf's Bild

Meine persönlichen Einstellungen:

 

Mit dieser Einstellung starte ich persönlich meist die ersten Aufnahmen:

  • Autofokus aus, Entfernung auf unendlich eingestellt (wer durch den Sucher noch etwas erkennen kann, kann einen Stern als manuelle Fokussierhilfe nutzen)
  • kleinste Blendenzahl (= offene Blende) eingestellt (bei mir ist das Blende 2,8)
  • ISO Einstellung: 800
  • Belichtungszeit: helle Auroren benötigen meist eine Belichtungszeit von 5 bis 10 Sekunden, mittlere von 10 bis 20 Sekunden und schwache liegen bei 30 Sekunden. Ich starte meist mit 15 Sekunden
  • Ich habe meinen Timer auf 2 Sekunden Vorlaufzeit gesetzt, meinen Fernauslöser lasse ich im Wohnmobil.

Ich platziere mein Stativ mit Kamera so, dass ich die Polarlichter und den gewünschten Vordergrund im Sucher habe, kontrolliere, ob die Entfernung des Objektivs noch auf unendlich eingestellt ist - dann gitb es das erste Foto!

 

Dies dient erst einmal als Orientierung, in welche Richtung ich korrigieren muss. Da Nordlichter unterschiedlich hell sind, muss man sich an die optimale Belichtungszeit immer erst einmal herantasten.  Ist das Bild zu dunkel, dann verdoppele ich die Belichtungszeit, ist das Bild zu hell, reduziere ich die Zeit um die Hälfte. Alternativ kann ich auch eine etwas kleiner Blende nehmen.

 

Eine Belichtungszeit von mehr als 30 Sekunden sollte man allerdings nicht wählen, da bei solch einer langen Belichtungszeit die Sterne nicht mehr punktförmig, sondern wie ein kleiner Strich aussehen. Bevor man Belichtungszeiten über 30 Sekunden wählt, sollte man besser die ISO um einen oder zwei Werte höher stellen. ISO-Werte von 1000 oder 2000 sind dann nicht ungewöhnlich.

 

Zur Schärfe: Grundsätzlich sind Polarlichter nicht wirklich scharf. Sollte man aber das Gefühl haben, dass man sie doch schärfer bekommen müsste, ist oft das Stativ schuld. Herrscht Wind, kann eine schwerere Kamera auf einem leichten Stativ schon etwas ins Wanken kommen. Hier hilft nur eins - man sucht sich einen windgeschützten Platz. Für den Kauf eines guten, stabilen Stativs ist es jetzt zu spät.

 

Wer diese Tipps beherzigt sollte eigentlich mit guten Ergebnissen nach Hause kommen.


mit welcher Kamera und welchem Objektiv Polarlichter fotografieren
Polarlichter mit Wohnmobil - das Fahrzeug wurde kurz mit der Taschenlampe beleuchtet

Hier noch einige Tipps, mit denen man die Aufnahmen noch interessanter machen kann:

 

Tipps für fortgeschrittene Fotografen:

 

  • RAW anstelle jpg
    Wer die Möglichkeit hat, sollte anstelle des jpg das RAW-Format wählen. Mit einem RAW-Bild kann man die Bilder deutlich besser nacharbeiten; Voraussetzung ist natürlich eine entsprechende Bildbearbeitungssoftware. Ich arbeite mit Lightroom von Adobe.
  • Wer zwischen mehreren Kameras wählen kann, sollte sich für eine Kamera mit großem Chip und wenig Pixeln entscheiden.
  • Aufnahmeeinstellungen:
    Die Entfernungseinstellung sollte ein, zwei Millimeter vor unendlich liegen, damit durch die Tiefenschärfe auch den Vordergrund scharf wird. Alternativ kann man auch den Autofokus anschalten und benutzen. Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass die Kamera beim Auslösen nicht erneut fokussiert. Ich persönlich habe den Autofokus vom Auslöseknopf getrennt.

 

Noch einige Details für diejenigen, die es interessiert:

 

Hier noch einige Informationen für diejenigen, die wissen wollen, warum sie die Kamera so einstellen sollen, wie oben vorgeschlagen:

  • Autofokus:
    Wir stellen ihn am besten aus, weil der Autofokus der Kamera in der Regel Schwierigkeiten haben wird, auf die kleinen Sterne scharf zu stellen. Die Kamera wird ständig hin und her fahren und nichts scharfstellen können. Daher Autofokus aus, manuell auf unendlich und die Einstellung ca. 1 bis 2 mm zurück drehen.
  • Blende:
    Polarlichter sind dunkel. Um die Belichtungszeiten und die ISO nicht so hoch zu treiben, macht es Sinn, die Blende so weit zu öffnen, wie es das Objektiv zulässt. Daher sind lichtstarkes Objektive, also Objektive mit eine offenen Blende von f/1.4 oder f/2.8 besser als lichtschwache Objektive. Aber auch mit lichtschwachen Objektiven kann man je nach Helligkeit des Polarlichtes gute Ergebnisse erzielen. (Anmerkung: je kleiner die Zahl nach dem f/... , desto lichtstärker ist das Objektiv)
  • Belichtungszeit:
    Ich bin bisher am besten damit gefahren, die Belichtungszeit manuell einzustellen. Es gäbe auch die Möglichkeit, mit Zeitautomatik zu fotografieren - die Korrekturmöglichkeiten sind dann aber eher beschränkt und können nur mit der Über-bzw. Unterbelichtungsfunktion durchgeführt werden. Egal mit welcher Methode man fotografiert, man sollte darauf achten, dass die Belichtungszeit nicht länger als 25-30 Sekunden ist. Bei längeren Belichtungszeiten sind die Sterne nicht mehr punktförmig, sondern werden aufgrund der Erdrotation zu kleinen Strichen.
  • ISO:
    Bei der Polarlichtfotografie steht uns nur sehr wenig Licht zur Verfügung. Daher muss man in den meisten Fällten den Kompromiss eingehen, mit hohen ISO-Werten zu arbeiten. Grundsätzlich ist eine kleine ISO gut für ein gutes Foto ohne Rauschen und Körnung. Bei der Polarlichtfotgrafie kommt man in der Regel aber nicht drum herum, auf höhere ISO-Werte zu gehen. Werte ab ISO 800 sind keine Seltenheit.

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seit 10.10.21

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