von Verla nach Joensuu
UNESCO Welterbe
Verla
Zwischen Verla und Joensuu eröffnet sich uns sich der weite, dünn besiedelte Osten Finnlands: stille Wälder, klare Seen und kleine Dörfer liegen verteilt in der Landschaft. Unsere Route führt durch eine Region, die von Ruhe, Weite und den schier endlosen Wasserflächen des Saimaa‑Sees geprägt ist. In Joensuu, dem Endpunkt dieser Etappe erreichen wir den kulturellen Mittelpunkt und einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt Nordkareliens.
Wir verlassen nun die Königsstraße und wenden uns in Richtung Norden. Unser nächstes Ziel ist Verla, ein nördlich von Kouvola gelegenes historisches Industriedorf.
Die dort ansässige Holzschleiferei und Pappfabrik wurde von 1872 bis 1964 betrieben. Die vollständig erhaltene Anlage gehört heute zum UNESCO‑Welterbe und zeigt die Entwicklung der frühen finnischen Holzverarbeitung. Das Gelände dient als Museumsensemble mit Führungen, Ausstellungen und originalen Arbeiterhäusern.
Die Außenanlage ist frei begehbar. Es gibt ein Café und Souvenirshops. Die Zufahrt zum Dorf erfolgt über eine gut befahrbare Schotterstraße.
- Unser Parkplatz (GPS 61.0626, 26.6375)
Gleich neben dem Parkplatz befindet sich ein weiteres Highlight, das aber so unauffällig ist, dass man es leicht übersehen kann:
Die Verla-Felsmalereien
An einer roten Granitwand befinden sich Felsmalereien, deren Entstehung in die Steinzeit datiert wird. Diese sind allerdings nur schwer zu entdecken- Mit Hilfe der Darstellung auf dem Hinweisschild an der Holzplattform lässt sich aber eine Elch- und Menschendarstellungen erkennen, die in der Art einer Prozession angeordnet sind.
Die Darstellung befindet sich etwa 1,5 m oberhalb der Wasseroberfläche und erstreckt sich über mehrere Meter entlang des Felsens. Sie ist die größte in der Region Kymenlaakso.
Lemi - Hauptstadt des Heavy Metals
Wir erreichen nun die unscheinbare Gemeinde Lemi. Diese hat einen besonderen Superlativ zu bieten: Sie wurde 2018 zur "Hauptstadt des Heavy Metal" gekürt, da es hier zu dieser Zeit die höchste Zahl an Metal-Band pro Einwohner gegeben haben soll. Ob dieser Rekord heute noch zutrifft, sei dahingestellt – die Region soll aber nach wie vor eine ausgeprägt Metal‑Szene besitzen.
An einem Parkplatz etwas abseits unseres Stellplatzes stoßen wir auf einen typischen finnischen Tanzpavillon. Diese findet man in Finnland häufig an - hier finden dann regelmäßig, meist öffentliche Tanzveranstaltungen stattfinden. Dieser Pavillon ist jedoch etwas Besonderes, denn gelegentlich finden hier auch Heavy‑Metal‑Konzerte statt.
Als wir ankommen herrscht im Pavillon und auf dem benachbarten Parkplatz die totale Ruhe und wir entscheiden uns, das Risiko einzugehen, dass sich das gegen Abend ändert und hier zu übernachten. Abend und Nacht bleiben ruhig - nur ein paar Angler kommen vorbei. Ein Konzert mit entsprechender Musik und Headbanging wäre aber sicher auch ganz lustig gewesen.
Unser Übernachtungsplatz: Jalkosalmi Rest Stop:
- Parkplatz mit Grillmöglichkeit am See
- GPS 61.0419838, 27.7712756
Auf unserem See am Übernachtungsplatz beobachten wir Singschwäne. Nachdem Sie aus dem Süden zurückgekehrt sind, brüten sie hier oben im Norden Europas.
mehr als 13.700 Inseln
Der Saimaa See
Wir befinden uns nun am Rand der finnischen Seenplatte. Ihr Zentrum bildet der Saimaa See, der mit rund 4.370 km² Fläche viertgrößte natürliche See Europas (Zum Vergleich: Der See ist 8,3x größer als der Bodensee mit seinen 526 km² ).
Der Saimaa See umfasst aber auch mehr als 13.700 Inseln - dazu zählen winzige Felsinseln aber auch flächige Inseln, denen man kaum noch anmerkt, dass sie Inseln sind. An manchen Stellen sind die Inseln so weit entfernt, dass man ein Boot benötigt um überzusetzen, manchmal muss man das Kanu auf die andere Seite tragen. Alles in allem ergibt sich eine fast labyrinthartige Landschaft.
Bekannt ist der See aber auch für sein extrem sauberes Wasser – häufig soll es Trinkwasserqualität haben. Viele Abschnitte gehören heute zum Saimaa UNESCO Global Geopark, der geologische Besonderheiten und historische Stätten verbindet
Tipps für Outdoor-Fans:
Die Region rund um den Saimaa-See ist ein echtes Paradies für Outdoor‑Fans: Mit Boot, Kajak oder SUP die Landschaft erkunden, wandern und radfahren, angeln und schwimmen im glasklaren Wasser, saunieren direkt am See. Aber nicht nur im Sommer gibt es viele Möglichkeiten aktiv zu sein. Im Winter laden gespurte Loipen und Schneeschuhwege zu Touren durch die verschneite Landschaft ein.
Zentrum der Holzindustrie
Lappeenranta
Unser nächstes Ziel ist Lappeenranta - mit seinen rund 72.000 Einwohner und der Lage an der russischen Grenze ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Regionalzentrum Südkarélienein. Bereits 1649 als Garnisonsstadt gegründet, wurde die Stadt im 18. Jahrhundert von Schweden um eine Festung ergänzt, die später von Russland ausgebaut wurde.
Heute gehört sie zu den wichtigsten erhaltenen Militäranlagen Finnlands. Die beeindruckende Anlage ist ein lebendiges Kulturzentrum mit Museen, Cafés, kleinen Läden, Aussichtspunkten über den Saimaa-See.

Wir schlendern durch die frei zugängliche Anlage und trinken am Hafen einen Kaffee.
Infobox: Finnische Kaffeekultur
Finnland gilt weltweit als das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum und "Überraschung": In Finnland trinkt man Filterkaffee. Oder, um George Clooneys ikonischen Werbeslogan zu bemühen: What else?.
Der fertige Kaffee steht in Cafés und Restaurants meist schon auf einer Warmplatte an der Theke in der Glaskanne. Lasst Euch nicht abschrecken, meist ist das Gebräu überraschend gut und - Nachfüllen ist im (günstigen) Preis üblicherweise inbegriffen.
Nun könnte man erwarten, dass zusätzlich in jedem Café die interessantesten Kaffeespezialitäten angeboten werden. Dem ist aber eher nicht so. Auf Nachfrage ist manchmal durchaus ein Cappuchino erhältlich - nach unserer Erfahrung ist dieser aber meist teuer und oft noch nicht einmal gut.
In einem Museum zu lokaler Geschichte erfahren wir darüber hinnus, dass der Kaffee in alter Zeit gerne mit Butter und manchmal auch mit etwas Salz "aufgewertet" oder auch gleich mit Meerwasser zubereitet wurde. Dieser in unseren Augen etwas fragwürdige Genuss bleibt uns aber erspart.
Der Hafen von Lappeenranta am Saimaa-See ist einer der größten Binnenhäfen Finnland und bildet den Ausgangspunkt für Schiffsverbindungen bis nach Savonlinna, weist über den Saimaa-Kanal aber auch eine nach Verbindung Russland auf.
Die größte Sandburg Finnlands
Jeden Sommer entsteht am Hafen von Lappeenranta eine der größten Sandskulpturen-Ausstellungen Finnlands. Der feinkörnige Skulpturensand für diesen Besuchermagnet wird extra angeliefert.
Ver- und Entsorgung:
- Wer hier in Lappeenranta eine VE-sucht, findet auf dem Rasthof der ABC-Tankstelle eine gute Möglichkeit dazu (GPS 61.1839698, 28.7366754)
Huhtiniemi Camping Lappeenranta
- GPS 61.0540952, 28.1521728)
auch am Parkplatz an Festung steht ein Wohnmobilzeichen:
- GPS 61.0675473, 28.1777329
Holzindustrie
Bis in die 1980er‑Jahre wurden riesige Mengen Holz über den Saimaa und den Saimaa‑Kanal geflößt. Das war jahrzehntelang das Rückgrat der Industrie in Lappeenranta. Mit der Umstellung auf andere Transportmittel verlor das Flössen an Bedeutung - kleine Flöße und Holzinseln, die meist der Zwischenlagerung und Sortierung dienen, gehören aber weiterhin zum Bild der Gewässer rund um die Industrieanlagen.
- Unser Fotospot: Brücke an Parkplatz (GPS 61.0820015, 28.2474693)
Verbindung nach Russland
Der Saimaa-Kanal
Am nördlichen Stadtrand besuchen wir die am Schleuse Mälkiä, die höchstgelegene Schleuse des Saimaa‑Kanals, die hier etwa 13 m Höhenunterschied überwindet.
- Parkplatz: GPS 61.0729338, 28.3033578
Infobox: Saimaa-Kanal
Der Saimaa‑Kanal ist eine rund 43 Kilometer lange Wasserstraße, die den Saimaa‑See seit 1856 mit dem Finnischen Meerbusen verbindet und im 20. Jahrhundert umfassend modernisiert wurde. Etwa ein Drittel der Strecke liegt auf finnischem Gebiet, der größere Teil jedoch auf russischer Seite, wo der Kanal über mehrere Schleusen bis zur Küste bei Wyborg (Viipuri) führt.
Kurios:
Das Gebiet wurde von Finnland langfristig von Russland gepachtet. Aufgrund der politischen Lage ist der grenzüberschreitende Verkehr derzeit aber eingestellt, sodass die Verbindung zur Ostsee
praktisch nicht genutzt werden kann. Auch die bei Ausflüglern und Touristen beliebten Kanal-Kreuzfahrten können daher nicht durchgeführt werden.
Imatra:
Wasserfall nach Zeitplan
Auch unser nächstes Zeil, Imatra, ist ein traditionsreicher Industriestandort an der russischen Grenze und geprägt von der Holz‑ und Papierindustrie. Die Stadt entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum der finnischen Energie‑ und Forstwirtschaft und ist geprägt durch ihre Industriegeschichte und daher nicht schön, sondern wie so oft in Ostfinnland schlicht und eher funktionell.
Imatrafall und die Gletschertöpfe von Kruununpuisto
Bekannt ist die Stadt für die Imatrankoski‑Stromschnellen, seit dem 19. Jahrhundert eine bekannte Sehenswürdigkeit, die durch das Wasserkraftwerk Imatra reguliert werden und bis heute ein technisches und touristisches Wahrzeichen bilden.
Durch das Aufstauen des Flusswassers zur Energieerzeugung liegen die Imatrankoski‑Stromschnellen meist trocken. Im Sommer werden sie aber regelmäßig geöffnet. Kurzfristig ergießt sich dann das Wasser aus dem oberhalb gelegenen Stausee in das sonst leere Flussbett - ein echtes Spektakel, dass Besucher magisch anzieht.
Darüber hinaus gibt es Sonderöffnungen zu besonderen Ereignissen und in den Herbstferien. Das Schauspiel dauert jeweils aber nur etwa eine Viertelstunde. Die genauen Termine findet man auf:
Auch wenn, wie bei unserem Besuch, gerade kein Wasser abgelassen wird, ist die Gegend rund um das Wasserkraftwerk interessant. Wir folgen dem am Parkplatz startenden Naturlehrpfad, der dem Saimaa Geopark zugeordnet ist. Schilder weisen auf hier vorkommende Tiere und Pflanze hin. Besonders spannend sind aber die Gletschertöpfe - geologische Formationen im Fels. Die Vertiefungen im Boden wurden in der Eiszeit durch stark wirbelndes Schmelzwasser in Verbindung mit Sand und Kies unter dem die Region bedeckenden Gletscher Vertiefungen ausgeschliffen.
- unser Parkplatz: GPS 61.1695960, 28.7712243
Übernachtungstipp:
Übernachten kann man in Imatra auf dem kleinen Campingplatz Vuoksen Kalastuspuisto. Dieser liegt auf einer kleinen Halbinsel und ist besonders für Angler interessant.
- GPS 61.1875458, 28.7809399
Wir fahren allerdings weiter und suchen uns weiter im Landesinneren gelegenen Übernachtungsplatz am See.
Auf einem Schild wird hier darauf hingewiesen, dass es Prachttaucher geben soll. Am Abend bauen wir am Strand unser Feuernetz auf und tatsächlich:
Ganz in der Nähe können wir ein Prachttaucher-Paar beobachten.
- Unser Übernachtungsparkplatz am See: GPS 61.4681224, 29.0372766
gefiel bereits Zar Alexander I.
Punkaharju Panoramastraße
Wir verlassen nun die Hauptstraße entlang der finnischen Ostgrenze und erreichen die Punkahariu Panoramastraße, die über einen schmalen, während der Eiszeit entstandenen Höhenrücken führt. Es handelt sich dabei um die Grundmoräne eines Gletschers, die zwei Becken des Saimaa trennt.
Die Route ist schon seit dem 18. Jahrhundert beliebt und wurde im 19. Jahrhundert auf Initiative Zar Alexander I. unter Schutz gestellt. Wir können durchaus nachvollziehen, dass diese Strecke Besucher fasziniert - das mit der Kamera darzustellen, erweist sich aber als gar nicht so einfach.
- GPS 61.7782751, 29.3311773
Lusto – das finnisches Forstmuseum
Text fehlt
- Parkplatz: GPS 61.799931, 29.321297
Die Burg Olavinlinna

Unser nächstes Ziel ist die Burg Olavinlinna - das Wahrzeichen der Region Saimaa ist ein Muss für jeden Südfinnland-Reisenden.
Savonlinna - internationale Opernfestspiele im finnischen Seenland
Die mittelalterliche Grenzburg aus dem späten 15. Jahrhundert wurde von den Schweden zur Sicherung der Ostgrenze errichtet wurde und bis ins 18. Jahrhundert militärisch genutzt. Seit 1912 ist sie
Schauplatz der Savonlinna‑Opernfestspiele, die üblicherweise jedes Jahr im Juli stattfinden und die die Burg international bekannt gemacht haben. Vor der historischen Kulisse werden
internationale Opernproduktionen gezeigt. Mehr Infos:https://operafestival.fi/de/. Es gibt zwar
auch eine Abendkasse - uns erzählt aber ein Herr aus Deutschland mit Zweitwohnsitz in Finnland, dass die Festspiele sehr beliebt sind, und er und seine Frau sich daher bereits frühzeitig um
Tickets gekümmert haben.
Unser Parkplatz:
- GPS 61.8642242, 28.8957401
- nur Fahrzeuge bis 6m Länge
Kerimäki - die größte Holzkirche der Welt
Ein weiteres Highlight auf dieser Tour ist die Kirche von Kerimäki, die mit rund 5.000 Sitzplätzen als größte Holzkirche der Welt gilt. Der 1847 vollendet Bau wirkt etwas überdimensioniert, sollte aber wohl allen Gläubigen der weitläufigen und auch zahlenmässig großen Gemeinde Lappee gleichzeitig Platz bieten.
Bei unserem Besuch wird die Kirche gerade renoviert, das Kirchenschiff ist völlig eingerüstet - Teile des Daches liegen nebenan. Nur der Kirchturm bietet Material für ein Foto. Die Größe der Gebäude ist aber durchaus beeindruckend.
- Parkplatz GPS 61.9120878, 29.2825552
Unser Stellplatz in Enonkoski
- toller, offizieller Stellplatz mit kostenlosem Strom am Wasser
- Feuerstelle mit kostenlosem Holz
- GPS 62.0927331, 28.9072009)
- Trinkwasser im Ort 62.0905, 28.9175
Joensuu - das Zentrum Nordkareliens
Unsere Tour endet in Joensuu, dem kulturellen Zentrum Nordkareliens am Ufer des Pielisjoki. Die 1848 gegründete Stadt ist heute ein moderner Verwaltungs‑, Bildungs‑ und Industriestandort sowie ein regionaler Verkehrsknotenpunkt.
VG10.000
26.2.26














