Von Rauna über Tampere nach Joensuu
Finnland - zwischen Seen und Wäldern
Unsere Tour durch Mittelfinnland startet in Rauma, einem UNESCO Weltkulturerbe, und führt uns über die lebendige Industriestadt Tampere ostwärts durch die finnische Seenplatte und das waldreiche
Herzland nach Joensuu, dem kulturellen Zentrum Nordkareliens.
Rauma: ein Ort - zwei UNESCO Weltkulturerbe
Rauma wurde 1442 gegründet und ist damit die drittälteste Stadt Finnlands. Obwohl sie nur knapp 40.000 Einwohner hat, beherbergt sie auf ihrer Gemarkung zwei UNESCO-Weltkulturerbestätten.
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das 2. UNESCO Weltkulturerbe
Das Gräberfeld von Sammallahdenmäki
Das bronzezeitliche Gräberfeld von Sammallahdenmäki liegt außerhalb der eigentlichen Stadt und ist von zwei Parkplätzen aus zu Fuß gut zugänglich. Das älteste Grab wird auf die Zeit von etwa 1500 BC, die jüngsten der knapp 40 Steinhaufengräber etwa 100 BC datiert.
- Gräberfeld: GPS 61.12008, 21.77403
- kostenloser Parkplatz: GPS 61.12164, 21.77619
Besonders ins Auge fällt ein großes rechteckiges Grab. Der Sage nach soll es von Riesen gebaut worden sein. Es heißt, dass die ersten Christen mit den Riesen eine Wette abgeschlossen hätten, wer
zuerst eine Kirche fertigstellen würde. Gewonnen hätte derjenige, der zuerst die Glocke läute. Die Christen stellten zwei Pfosten auf, hängten eine Glocke dazwischen und läuteten diese. Als sie
das Läuten hörten, hatten die Riesen gerade das Fundament ihres Baus fertiggestellt. Sie gaben die Baustelle auf und beließen sie in dem Zustand, in dem wir sie heute vorfinden.
Die Gräber selbst sind interessant, aber nicht wirklich atemberaubend. Die idyllische Lage im Wald macht einen Besuch mit Spaziergang aber durchaus lohnenswert.
Wir erreichen nun in der Region Satakunta die rund 11 000 Einwohner zählende Gemeinde Eura.
Kauttua Ironworks
Hier besuchen wir das Eisenwerk Kauttua. Das Areal repräsentiert über 300 Jahre ununterbrochener Industriegeschichte. Bereits 1689 wurde hier von Baron Lorenz Creutz am Stadtrand von Eura ein Werk gegründet, dass sich zu einem frühen Zentrum der finnischen Eisenverarbeitung entwickelte. Im 19. Jahrhundert war es ein führender Produzent von Stabeisen in Finnland. Nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten, verlagerte sich die industrielle Ausrichtung ab dem frühen 20. Jahrhundert auf die Holz- und Papierverarbeitung - noch heute befindet sich neben dem historischen Komplex eine aktive Industrieanlage. Die traditionellen Holzhäuser stammen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und sind noch heute bewohnt.
Alvar Aaltos Terrassitalo
Einige Bereiche des Eisenwerks von Kauttua wurden in den 1930er Jahren von Alvar Aalto, einem berühmten finnischen Architekten, entworfen. Von ihm stammt beispielsweise das Waschhaus, das heute
als Sauna genutzt wird, und das Terrassitalo - das fotogene Terrassenhaus.
- Unser Parkplatz: GPS 61.10992, 22.16456
Infobox: Alvar Aalto
Alvar Aalto war ein finnischer Architekt und Designer, der ab den 1920er‑Jahren die nordische Moderne entscheidend prägte. Neben einzelnen Gebäuden des
Eisenwerks von Kauttua zählen zu seinen wichtigsten Bauten das Paimio Sanatorium in Paimio, das Aalto‑Zentrum in Rovaniemi sowie das Finlandia‑Haus in Helsinki. Aalto ist bekannt für seine
funktionale Klarheit, die uns an den Stil des Bauhaus erinnert.
Entlang der finnischen Seenplatte
Finnland gilt als das Land der 1000 Seen. Diese Zahl ist allerdings maßlos untertrieben, nennt Finnland doch über 188.000 Seen und fast genauso viele Inseln sein Eigen. Die meisten davon findet
man in der sogenannten Seenplatte, die sich im Süden des Landes fast von der Westküste bis nach Russland erstreckt. und das größte Seengebiet Europas darstellt.
Geformt von den Gletschern der letzten Eiszeit gibt es in der Region keine Berge. Die vielen Seen schmiegen sich in die umgebenden sanften Hügel mit ihren tiefgrünen Wäldern.
Wir erkunden die Seenplatte von West nach Ost, wobei wir uns grob an den Nationalparks in diesem Gebiet orientieren.
Infobox: Nationalparks in Finnland
Finnland besitzt die unglaubliche Zahl von 40 Nationalparks, die sich über das gesamt Land verteilen. Der bisher letzte Nationalpark wurde 2017 aus Anlass des
hundertjährigen Bestehens des unabhängigen Staates Finnland nahe Hossa in Nordkarelien nahe der russischen Grenze ausgewiesen.
Das Konzept eines Nationalparks unterscheidet sich wie auch in den übrigen skandinavischen Ländern vom Ansatz in Deutschland. Steht in unserer Heimat der Schutz der möglichst unberührten Natur
und/oder deren Rückführung in diesen Zustand im Vordergrund und ergeben sich daraus oft strikte Betretungsverbote, so steht in Finnland neben dem Schutz auch das Erleben der Natur durch die
Menschen im Mittelpunkt. Dies begründet sich im skandinavischen Jedermannsrecht.
So sind Finnlands Nationalparks durchzogen von Wander-, Rad- und Kanurouten, regelmäßig findet man an den schönsten Plätzen Schutzhütten, in denen übernachtet werden darf und auf manchen
Parkplätzen ist sogar das Übernachten mit dem Wohnmobil erlaubt. Ist nicht gerade Brut- oder Setzzeit der Vögel so dürfen Beeren und Pilze gesammelt werden. Unter bestimmten Auflagen ist Angeln
und teilweise auch die Jagd gestattet.
Weitere Informationen zu den Parks, deren Flora und Fauna, Ausflugsmöglichkeiten etc. sowie. Kartenmaterial finden sich in englischer Sprache unter dem folgenden Link: https://www.nationalparks.fi/
Der Puurijärvi und Isosuo National Park
Der erste Nationalpark, den wir auf dieser Tour besuchen, ist der Puurijärvi und Isosuo Nationalpark, ein See- und Sumpfgebiet auf etwa halber Strecke zwischen den Städten Rauma und Tampere.
Puurijärvi ist dabei der Name eines Sees im Nordteil des Parks - Isouso steht für das Sumpf- und Marschgebiet im Süden. Der Park ist ein bekanntes Vogelschutzgebiet und daher ein bei Ornithologen
beliebtes Ziel.
Rund um den See finden sich so mehrere Beobachtungstürme, die von ausgewiesenen Parkplätzen gut erreichbar sind. Wir können bei unserem Besuch im September diverse Enten aber auch
Singschwäne, Kraniche und einen Seeadler vom Turm beobachten. Auch der Europäische Biber ist hier im Park heimisch.
Durch das Sumpfgebiet schlängeln sich Bohlenwege, die auch für Hundebesitzer leicht zugänglich sind. Wir lassen uns bei sanftem abendlichen Licht in eine fast mystische Landschaft
entführen.
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Parkplatz am Vogelturm Kärjenkallio:
großer Parkplatz neben der Zufahrtsstraße mit Trockentoilette, 800m Fußweg zum großen Beobachtungsturm
GPS 61.28067, 22.56483
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Parkplatz am Bohlenweg:
großer Parkplatz mit Trockentoilette an Nebenstraße
GPS 61.25405, 22.58784
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Parkplatz am Vogelturm Mutilahti:
kleiner Parkplatz direkt neben dem Vogelbeobachtungsturm mit kleiner Sitzgruppe
GPS 61.25467, 22.58314
Tampere
Unser nächstes Ziel ist Tampere, eine lebendige Industrie- und Studentenstadt zwischen den Seen Näsijärvi und Pyhäjärvi, und geprägt von seiner Lage am Fluss Tammerkoski, der seit dem
19. Jahrhundert die Energie für die die Textil‑ und Maschinenfabriken lieferte. Heute verbindet die Stadt historische Backsteinarchitektur mit moderner Kultur.
Wir parken in der Nähe des Stadtzentrums (Parkplatz Pyynikintori: GPS 61.49760, 23.74178) und gelangen vorbei an neugotischen Alexanderkirche und der markanten Stadtbiblioth ins Stadtzentrum. Unser Weg führt
uns durch Einkaufsstraßen zum Hafen, der im 19. Jahrhundert als Umschlagplatz für Güter, Baumaterial und regionale Produkte entstand. Hier legen heute Ausflugsboote an, auf und am Wasser
lädt nette Gastronomie zum Verweilen ein.
Weiter geht es zur großen Markthalle von 1901 bevor wir den Marktplatz Keskustori mit der alten, hölzernen Stadtkirche von 1824, dem Rathaus im Stil der Neorenaissance und Theater aus den 1910er
Jahren kommen. Rundum finden sich in meist modern-nüchternen Gebäuden Geschäfte und Büros.
Wir beschließen unseren Rundgang mit einem Besuch des zentral gelegenen, historische Industrieareals Finlayson, einer ehemalige große Baumwollspinnerei und Textilfabrik, die in den 1820er‑Jahren
von dem schottischen Unternehmer James Finlayson gegründet wurde. Das Werk entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum größten Industriekomplex Finnlands und prägte die Stadt durch Arbeiterwohnungen,
Produktionshallen und soziale Einrichtungen. Heute beherbergt der historische Komplex ein Kultur‑ und Dienstleistungsquartier mit Museen, Restaurants und Geschäften.
Infobox: Markthallen
Markthallen haben in Finnland eine lange Tradition. Sie entstanden ab dem späten 19. Jahrhundert als zentrale Versorgungsstätten für frische Lebensmittel und
Handwerk. Viele dieser Backstein- oder Holzbauten – etwa die Kauppahalli in Tampere oder die Markthalle von Oulu – werden bis heute genutzt und prägen die historischen Innenstädte.
Heute findet man hier neben Lebensmittel meist auch Restaurants, Cafés und häufig auch Souvenirshops.
Bei unserem Besuch bietet sich uns ein zusätzliches Highlight:
Auf dem parkartigen Boulevard Hämeenpuisto findet gerade ein internationales Food-Festival statt. Wir genießen das bunte Treiben.
Fun-Fakt:
Tampere gilt als finnische „Saunahauptstadt“ mit über 50 öffentlichen Saunen. im Hafenbecken: Sauna auf Ponton.
Unsere Fotospots:
Fußgängerbrücke Laukonsilta am Hafen mit zahlreiche Liebesschlösser: GPS 61.49372, 23.76051
Parkplatz am Vergnügungspark: GPS 61.50358,
23.74568
Familientipp: Vergnügungspark Särkänniemi in Tampere
Am Stadtrand von Tampere liegt direkt am Ufer des Sees Näsijärvi der Vergnügungspark Särkänniemi, einer der größten Freizeitparks Finnlands. Er wurde in den 1960er‑Jahren als städtisches
Ausflugs‑ und Familienzentrum eröffnet und bietet heute Achterbahnen, den Free-Fall-Tower "Hype" ein Aquarium und den markanten Näsinneula‑Turm mit Restaurant und Aussichtsplattform, der seit
1971 das weithin sichtbare Wahrzeichen des Parks bildet und einen fantastischen Blick über die Stadt und die umliegenden Seen bietet.
VG6700
9.7.26
