Südfrankreich mit dem Wohnmobil


Von der Camargue, über die Mittelmeerküste, durch die Pyrenäen an den Atlantik und über die Cevennen, Gorges du Tarnes zurück


Der Start: Silvester in der Camargue

Das Ziel unserer Reise ist grob Portugal. Da wir aber von Heidelberg aus praktisch in einem Rutsch bis an die französische Mittelmeerküste durchgefahren sind, legen wir erst einmal einen dreitägigen Stopover in der Nähe von Marseille am Hafen von Carro ein.

Die Küste hier ist windig und ein wahres Surferparadies. Wir beschränken uns auf Zuschauen und Fotografieren und genießen einen ruhigen Jahreswechsel ganz ohne Böller.

Das Rhone-Delta und die Camargue


Galoppierende Pferde, aufgewirbelte Tropfen fliegen durch die Luft, im Hintergrund stehen Rosaflamingos im flachen Wasser der Lagune. Mit diesen Bildern im Kopf fahren wir in die Camargue in Südfrankreich.

 

Zwischen den Flussarmen "Grand Rhone" im Osten und "Petit Rhone" im Westen in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Département Bouches-du-Rhône am Mittelmeer gelegen, ist das Mündungsgebiet der Rhone mit etwa 750 Quadratkilometern das größte Flussdelta Westeuropas. Die flache Landschaft wird überwiegend landwirtschaftlich zur Viehzucht, zum Gemüse- Reis- und natürlich (wir sind in Frankreich) Weinanbau genutzt.

 

Auf dem Gebiet von Arles und Saintes-Maries-de-la-Mer liegt der Regionale Naturpark Camargue, der 1970 gegründet umfasst er eine Fläche von 88.000 Quadratkilometern.

 

Uns interessieren weniger die zweifellos schönen Strände des Mittelmeers, die besonders im Sommer Heerscharen von Touristen anziehen, sondern das Küstengebiet, das mit seinen Lagunen und Brackwasserseen einer Vielzahl von Tieren und vor allem von Wasservögeln Heimat, Brut- oder auch Rastplatz bieten.

 

Auch die Salinen (z.B. die Salines de Midi bei Aigues-Mortes) entlang der Küste lohnen einen Besuch. Hier wird Industriesalz aber auch Speisesalz, das berühmte Fleur-de-Sel gewonnen, das ein beliebtes Mitbringsel ist. Auch hier tummeln sich viele Vögel.

 

Das etwa 13.000 Hektar große Naturschutzgebiet "Réserve naturelle nationale de Camargue" umfasst den Étang de Vaccarès, den größten der flachen Seen (französisch: étang) der Region und den davor liegenden Küstenstreifen mit seiner großen Wasservogelpopulation.

 

Interessante Vogelbeobachtungen sind hier in der Region an vielen Orten, oft auch von der Straße aus möglich. Vor allem die Rosaflamingos sind allgegenwärtig. Besonders gut gefällt uns aber der Vogelpark "Ornithological Park of Pont de Gau". Das Gelände lässt sich über ein etwa 7 Kilometer langes Wegenetz erkunden, oft kommt man zu einem Großteil frei lebenden Vögeln sehr nahe.

 

Unser Stellplatz in Saintes-Maries-de-la-Mer:

  • Aire Camping Car - George Pompidou Space: gebührenpflichtiger Stelllplatz auf Parkplatz mit VE
    (N 43°16’10”, O 3°16’47)

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Fotogalerie: Rhone-Delta und die Camargue

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Entlang der Mittelmeerküste

Nur schweren Herzens trennen wir uns heute von unserem Stellplatz in Carro. Zu schön ist der Blick auf das Meer und viel zu sehr genießen wir es, bei Meeresrrauschen einzuschlafen und auch wieder aufzuwachen.

 

Wenn wir überrascht waren, dass wir hier bei Marseille auf so viele Wohnmobile getroffen sind, so sind wir bei unserer Fahrt entlang der Küste in der Camargue noch viel verwunderter über die Menge an Wohnmobilen, die mit uns unterwegs ist. Wir hoffen stark, dass dies daran liegt, dass der ein oder andere Franzose, Deutsche, Italiener.... die Feiertage und Ferien für eine längere Ausfahrt nutzt und in den nächsten Wochen nicht weiterhin jedes dritte Fahrzeug, das uns begegnet, ein Wohnmobil sein wird. Vielleicht sind wir aber auch immer noch von der Ruhe und Einsamkeit Lapplands geprägt, die wir wahrscheinlich sonst fast nirgendwo in Europa finden werden.

 

Nach einigem Suchen finden wir gegen  Abend doch noch einen ruhigen und offiziellen Stellplatz in  Agde. Die Stadt scheint sich zumindest heute Abend im Winterschlaf zu befinden und so genießen wir einen Spaziergang auf einer fast menschenleeren Strandpromenade.


Entlang der Küstenstraße von Leucarte zum Cap de Creus

kleiner Hafen mit Austernfischern in der Nähe von Leucate
kleiner Hafen mit Austernfischern in der Nähe von Leucate

 Unser Stellplatz auf einem kleinen Parkplatz am kleinen Hafen erweist sich als sehr ruhig. Außer den vereinzelten  Rufen von Graureihern ist die ganze Nacht nichts zu hören. Am morgen kommen einige Fischer vorbei, die ihre in der Bucht ausgelegten Reusen kontrollieren. Wir werfen noch einen Blick auf die Wasservogelwelt und sind sehr überrascht, neben Flamingos eine Gruppe Pelikane zu entdecken. Es handelt sich um seltene Krauskopfpelikane, die man eher im Südosten Europas (Donaudelta) erwarten würde.

 

In Grau de Leucarte lädt reges Treiben an einem Fischereihafen zu einem kurzen Zwischenstopp. Hier werden Austern angelandet und in kleinen Buden direkt gesäubert und vermarktet. Das sieht zwar alles sehr einladend aus, uns steht so früh am Tag der Sinn aber noch nicht nach rohem Meeresgetier.

 

Wir wollen heute Frankreich verlassen und unsere erste Nacht in Spanien verbringen. Für unsere Weiterfahrt wählen wir die Nebenstrecke, die sich entlang der teilweise steil ins Meer abfallenden Küste schlängelt. Zur Linken eröffnen sich immer wieder Aussichten auf das Mittelmeer und pittoreske Ort, zur Rechten erheben sich die ersten Ausläufer der Pyrenäen. Bei einer Rast auf einem Parkplatz oberhalb von Banyuls mit spektakulärem Blick auf das Meer, erläutert eine Tafel, dass das vorgelagerte Seegebiet zum Erhalt der Biodiversität als Meeresschutzgebiet „Réserve Naturelle de Cerbère-Banyuls“ ausgewiesen ist. In seiner Kernzone ist weder Fischen noch motorisierter Bootsverkehr erlaubt.

 

Unser nächstes Ziel ist Cadaqués im Naturpark Cap de Creus, der den östlichsten Teil der Iberischen Halbinsel bildet. Der ehemalige Wohnort Dalis entpuppt sich aber als für Wohnmobile ungeeignet. Große Verbotsschilder prägen das Bild. Leider ist auch mit einem kleinen Wohnmobil die Ein- und Durchfahrt durch den Ort nicht gestattet. Offenbar hat man hier schlechte Erfahrungen gemacht. Da auch im Naturpark das Abstellen von Wohnmobilen nicht erlaubt ist, fahren wir weiter und finden im Hinterland einen schönen Platz für die Nacht.

 

Unser Wohnmobil-Stellplatz:

  • Bellcaire d'Empordà: schöner, privater Stellplatz mit VE, Strom, 8 – 14 €, nettes Personal

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Fotogalerie: Austernfischer von Leucarte

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Richtung Pyrenäen

Wir haben in Agde eine ruhige Nacht verbracht. Das liegt aber sicher daran, dass wir außherhalb jeder Saison reisen. Im Sommer soll die ca. 25.000 Einwohner zählende Stadt, von mehr als zehnmal sovielen Menschen geflutet werden, die hier ihren Urlaub verbringen. Die ganze Gegend ist also hochtouristisch ausgerichtet, im Moment aber in wahrsten Sinne des Wortes  "verschlafen". Agde ist eine der ältesten Städte Frankreichs, schon die Griechen und Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Wir starten aber ohne weitere Erforschung der Umgebung in den Tag.

 

Nachdem wir die Hauptverbindungsstrasse verlassen haben, zeigt sich uns die Küste wildromantisch - auch die Wohnmobildichte lässt etwas nach - und wir können ein spätes Frühstück in einer einsamen Bucht vor Bages - umrahmt von Weinfeldern - genießen.

 

Weiter geht es in die Pyrenäen. Schon früh suchen wir einen Platz für die Nacht, da wir es in den letzten Tagen als wenig schön empfunden haben, bei Dunkelheit auf Stellplatzsuche zu gehen.  In Mont Louis werden wir fündig. Wir stehen auf einem Parkplatz vor den Mauern des dortigen Kastells, das mit weiteren Festungen, geschaffen vom französichen Baumeister Vauban, zum UNESCO Welterbe gehört. Selten sind wir bisher mit Blick auf unseren "eigenen" Burggraben zu Bett gegangen.


... aber wir waren in Andorra

Kurz  nach Sonnenaufgang - das hört sich schlimmer an als es ist, also so gegen 9 Uhr - brechen wir auf. Wir wollen nach Andorra und sind uns nicht ganz sicher, wie die Strassenverhältnisse auf dem Weg dorthin sind. Übernachtet haben wir auf 1500m, ohne eine Flocke Schnee zu sehen, aber es ist Schneeregen vorausgesagt.

 

Das Wetter ist wider Erwarten gut. Wir sind optimistisch, bis wir auf Schilder stoßen, die darauf hinweisen, dass auf dieser Strecke das Mitführen von Schneeketten obligatorisch ist. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das nur für die Strecke über den vor uns liegenden Pass oder auch für den wohl alternativ zur Verfügung stehenden Tunnel gilt. Trotz Allrad und "dicker Socken" kehren wir um. Wir wollen keinen Ärger riskieren und es gibt ja noch eine weitere Zufahrt nach Andorra. Auf dieser stehen wir aber schnell im Stau vor der hier tatsächlich als solche zu verstehenden Grenze und lernen für was Andorra bekannt ist - praktisch steuerfreies Einkaufen. Die Autokarawane wälzt sich in Richtung der sofort hinter Grenze aufragenden Einkaufszentren. Wir beschließen, dass das nichts für uns ist, und ergreifen die Flucht, ohne einen Blick auf die ebenfalls bekannten Skigebiete geworfen zu haben.

 

Bei Dauernieselregen gondeln wir weiter durch die Pyrenäen entlang  einer trotz der Jahreszeit wunderschönen Landschaft,  oft begleitet von Flüssen und Bächen und durch wilde Schluchten. Wir beenden den Tag in Ainsa auf einem inoffiziellen Stellplatz mit herrlichem Blick über das Tal zusammen mit anderen Wohnmobilen.


Französische Atlantikküste - Mortagne-sur-Gironde

Wohnmobilstellplatz Wohnmobil Hafen Fischerboot Gironde Bordeaux Mortagne-surGironde
Wohnmobilstellplatz am Hafen on Mortagne-sur-Gironde
Wohnmobil Hafen Mortagne-sur-Gironde Stare Vogelschwarm Abendstimmung Abendrot

Für uns geht es nun Richtung Atlantikküste und weiter nach Frankreich. Wie schon in auf zurückliegenden Reisen übernachten wir in Ondre-Plage auf dem Stellplatz am Parkplatz. Am Übergang zum Strand warnen Schilder vor dem Betreten des Strandes, da aufgrund des starken Windes und der in diesen Tagen hohen Flut mit einer besonders starken Brandung zu rechnen ist. Deutlich sieht man, dass die Brecher bis an die Dünen herandonnern können. Wir belassen es daher bei einem Blick auf den aufgewühlten Atlantik.

 

Wir fahren weiter entlang der Küste in Richtung Bordeau, durch das gleichnamige große Weinbaugebiet. Unser nächstes Ziel ist Mortagne-sur-Girone nördlich von Bordeaux an der Gironde mit seinem Stellplatz am Hafen, das zu einem mehrtägigen Aufenthalt einlädt. Auf den hier vor Anker liegenden Sport- und Fischerbooten ist immer etwas los und so gibt es auch immer etwas zu sehen. In der Nähe liegt darüber hinaus ein Vogelschutzgebiet, das, wie auch der in die hier steile abfallende Felsenküste hinein gebaute Ort zum Erkunden einlädt.

 

Unsere Stellplätze:

- Ondre-Plage: separater Stellplatz neben Strandparkplatz, strandnah, im Winter im Winter kostenfrei, VE geschlossen; Umgestaltung des Parkplatzes geplant und bereits begonnen (N 43°34’34’’N, W 01°29’12’’)

- Mortagne-sur-Gironde: Stellplatz am Hafen mit Blick auf die Boote, VE, €9,50 incl. Strom (N 45°28’29’’N, E 00°47’53’’)

 


Richtung Albi - Weltkulturerbe mit Charme

Ondres Plage
Ondres Plage

Beim Aufwachen scheint uns die Sonne ins Gesicht, was Iris dazu verleitet, unseren letzten Tag an der Küste für einen Strandlauf entlang des Ozeans zu nutzen. Am Stand wird klar, wie schwer das Wetter in der vergangenen Zeit gewütet haben muss. An der sich tief in die Dünen ziehenden Spülsaumkante liegt nicht nur viel Unrat sondern auch viele große Stämme bis hin zu ganzen Bäumen. Der Sand ist aufgewühlt und das Laufen mit dem wieder einsetzenden Regen kein wirkliches Vergnügen.

 

Wir verlassen gegen Mittag die Küste und fahren über Dax Richtung Osten. Zuerst kommen wir gut voran. Erst bei Toulouse geraten wir in den freitaglichen Feierabendverkehr und sehen von der Stadt nicht viel mehr als Stau von dem aus wir aber einen kurzen Blick auf die Garonne und auf das Airbus-Werk erhaschen können.

 

Es ist schon Dunkel als wir nach Albi kommen und uns im Gewirr der Straßen auf der Suche nach dem Stellplatz auf dem Parkplatz an der Kathedrale verlieren. Die Suche wir nach dadurch erschwert, dass in der Innenstadt ein Jahrmarkt aufgebaut ist.

 

Letztlich finden wir aber doch eine Platz und machen uns auf zu einem Nachtspaziergang durch die Stadt, deren Altstadt mit der Kathedrale mal wieder in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Es ist 22 Uhr und die Stadt wie ausgestorben, obwohl es Freitagabend ist. Umso beeindruckender ist unser Rundgang entlang der gothischen Backsteinkirche, die fast wie eine Festung wirkt, bis hin zur frisch renovierten Markthalle.

  • Albi: Parkplatz an der Kathedrale – ausgewiesener Bereich für Wohnmobile
  • Albi – alternativ: Parkplatz am Friedhof mit VE

 


Gorges du Tarn (Cévennen): Tiefe Schlucht und einsame Dörfer

"getarnte" Dörfer entlang der Tarn-Schlucht
"getarnte" Dörfer entlang der Tarn-Schlucht

Von Albi nach Florac

Am nächsten Tag kommen wir mit Renate und Christian aus der Oberpfalz ins Gespräch, die mit ihrem Campingbus noch ganz am Anfang ihrer Reise nach Portugal stehen. Wir gehen gemeinsam einen Kaffee in der jetzt plötzlich belebten Stadt trinken und werfen einen Blick auf das quirlige Leben in der Markhalle.

 

Wir wollen heuten noch in die Cévennen, die in der Zusammenschau von Nationalpark, geschichtlichen Zeugnissen und erhaltener Kultur ein Welterbe UNESCO darstellen. Die uns zur Verfügung stehende Zeit genügt nicht, die Region zu erkunden.

 

Wenigstens wollen wir aber die Gorge de Tarn durchfahren, welche zu den Highlights der Region gehört soll. Und das ist sie auch. Im Nordosten  von Millau gelegen, führt die Schlucht von Sainte-Enimie im Osten über 35 Kilometer bis Le Rozier im Westen. Tief schneidet sich die Schlucht in die Felsen. Die Strasse windet sich spektakulär zwischen den bis zu 500 Meter hohen Felswänden und und dem Fluss Tarn, unter Felsüberhängen hindurch und durch enge Tunnel.

 

Kleine Dörfer und Burgen wirken wie an die Felsen angeklebt und sind kaum zu sehen, da sie aus dem Stein der Schlucht gebaut sind. Es gibt sogar Häuser deren Zugang und Versorgung nur über den Fluß überspannende Seilbahnen möglich ist.

 

Gegen Abend suchen wir uns im Örtchen Florac einen Stellplatz. Kurz nach uns trudelt ein mit viel Gepäck beladener Fahrradfahrer auf dem Parkplatz ein und baut hinter unserem Auto sein Zelt auf. Als er fertig ist, holt er die Gitarre raus und beginnt zu spielen.Wir kommen ins Gespräch und laden ihn zum Aufwärmen ins Auto ein. Dabei erfahren wir, dass der selbständige Bierbrauer aus Bayern regelmäßig per Fahrrad in Frankreich unterwegs ist, um sein Französisch zu verbessern und nebenbei die ein oder andere Brauerei zu besichtigen. Mehr Infos zu Manfred und seiner Brauerei gibt es in unserer Rubrik "unterwegs getroffen":  hier klicken.

 

Unser Stellplatz:

  • Florac: Stellplatz auf Parkplatz mit VE oberhalb der Stadt, Avenue Michel Gillibert

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Ardeche - "Domaine de Baffie"

Von Florac in den Cevennen nach Les Ollières sur Eyrieux in der Ardeche

 

Heute geht es für uns von den Cevennen in die Ardeche. Dort wollen wir Christine und Pierre aus Belgien besuchen, die wir auf unserer Nordlandtour im letzten Jahr kennengelernt haben und die gerade in ihrem Ferienhaus in der Ardeche sind.

 

Auch die Ardeche wird dominiert von kleinen Dörfern entlang enger und steiler Strasse. Je weiter uns unser Weg führt, umso weniger spektakulär sind allerdings die Schluchten, immer mehr weichen sie breiten Tälern.  Bis in die Mitte des letzten Jahres blühte hier die Landwirtschaft. Riesiege Mengen von Kastanien wurden geerntet, Pfirsich- und Kirschbäume lieferten Obst für Kunden bis hin im entfernten Paris.

 

Wichtig waren aber auch Maulbeerbaumplantagen, die das Futter für Seidenraupen lieferten und die damit die Basis der hiesigen Seidenproduktion bildeten. Zuerst kam die Seidenproduktion durch Krankheiten, dann aber auch durch die zunehmende Konkurrenz günstigerer Importseide aus Asien in die Krise. Dann ruinierte ein Pilz die Kastanienerten. Die Region verarmte. Viele Menschen zogen weg, wovon noch heute viele verlassenen Häuser zeugen. Erst Gegen Ende des letzten Jahrhunderts brachte der Tourismus wieder einen gewissen Aufschwung.

 

Gegen Abend erreichen wir nach einigem Suchen in der Nähe des Ortes Les Ollières sur Eyrieux die "Domaine de Baffie", das Ferienhaus unserer belgischen Bekannten. Eigentlich handelt es sich dabei um ein aus mehreren kleinen Häusern, Scheunen und Anbauten bestehendes Gebäude, dessen ältester Teil bis ins 17. Jahrhundert zurück datiert und das typisch für die Region ist. In der Scheune wurden früher Seidenraupen gezüchtet. Noch heute erinnert viel daran, unter anderem sind Überreste der Beheizung zu sehen, den Seidenraupen brauchen viel Wärme.

 

Update: Bei einem erneuten Besuch begleiten wir Christine beim Einkaufen. Die Auslage der kleinen Metzgereien überzeugt uns, auf dem Markt bieten regionale Produzenten ihre Produkte an. Hier kann man nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Honig, Nüsse oder die biologisch angebauten Produkte einer landwirtschaftlichen Kommune kaufen. Ein paar Brocken Französisch erleichtern die Verständigung, sind aber nicht notwendig. Man kann sich ja immer noch mit Händen und Füßen unterhalten.

 

Unser Stellplatz:

  • privat bei Christine und Pierre

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Exkurs: Geschichte der Hugenotten in der Ardeche und in den Cevennen

Von Les Ollières sur Eyrieux nach Randeviller in der Nähe von Besancon

 

Unser Reisebekanntschaften, Christine und Pierre aus Belgien, die in der Ardeche ein Ferienahus besitzen, bringen uns die Kultur der Ardeche näher. Wir besuchen eine kleine Kirche, die von den katholischen Bewohnern des kleinen Orts Saint Vincent de Durfort in Eigenregie restauriert wurde. Direkt nebenan steht ein protestanticher Tempel (evangelische Kirchen werden hier so genannt), der völlig schmucklos ist und auch keinen Turm besitzt.

 

Dieses für uns außergewöhnliche Gebäude bringt uns dazu, uns ein wenig mit der Geschichte der Protestanten in Frankreich zu beschäftigen. Frankfreichs Bevölkerung ist in der Hauptsache katholisch - Protestenten stellen auch heute nur eine Minderheit darstellen.

 

Die Cevennen und die Ardeche bildeten währen der Protestantenverfolgung und den Hugenottenkriegen im 16. Jahrhundert die letzten Rückzugsräume der Hugenotten, in denen sie sich Partisanenkämpfe mit dem Militär lieferten. Die Religionsausübung erfolgte im Geheimen, man lebte sehr zurückgezogen, Fremden gegenüber war man äußert misstrauisch. Wenn man dies weiß, sieht man Zeichen dafür auch noch heute. Die Dörfer sind oft noch immer schwer zugänglich, Häuser wirken wie kleinen Burgen, Fensterläden bleiben häufig auch noch am Tag geschlossen. Christine erzählt, wie schwer es für ihre Eltern war, in der Dorfgemeinschaft Fuß zu fassen, als sie das Ferienhaus vor 50 Jahren kauften.

 

In vielen Häusern gab und gibt es versteckte Räume. Hier konnten sich sich verfolgte Menschen verbergen oder es wurden Gegenstände versteckt, die die die Zugehörigkeit zum Protestantismus hätten verraten können. Auch in der Domaine de Baffie lässt die fehlende Übereinstimmung zweier Wände im Obergeschoss vermuten, dass es dort einen solchen Raum geben könnte.

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interner Zähler seit 5. Mai 2020 (345)

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