Nordkap-Reise (7): Norwegens Süden

von Bergen über die Hardangervidda nach Oslo

Über Südschweden und Lappland sind wir zum Nordkap gefahren, die Rückfahrt führte uns über die Lofoten und die Fjorde Norwegen in den Süden.


Wir wollen eigentlich in der Nähe von Bergen übernachten, um am nächsten Morgen früh in die Stadt starten zu können. Leider gestaltet sich das schwierig. Nach längerem Suchen und mit Hilfe meiner "Park4Night"-App finden wir dann noch einen Platz etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem sehenswerten Botanischen Garten, wo wir noch eine Spaziergang machen.


das Tor zu den Fjorden

Bergen und das Hanseviertel Bryggen


Eigentlich wollten wir um 6 Uhr aufstehen, um richtig früh in Bergen zu sein, da wir hoffen, so einen Parkplatz zu finden. Aber unser Wecker verlässt uns - so etwas ist uns noch nie passiert. Kurz nach 7 Uhr schrecken wir hoch, hüpfen mit Katzenwäsche in unsere Klamotten und ... stehen im Stau - es ist Rush-Hour. Trotzdem, wir finden einen super Parkplatz, von dem aus wir zu Fuß in nur 20 Minuten in die Stadt laufen können. Bevor wir losziehen, gibt es jetzt aber doch erst einmal einen Kaffee und Frühstück.

 

Bergen und Brygen mit dem Wohnmobil
Das Hafenviertel Bryggen mit den Fassaden der ehemaligen Handelskontore

Wir marschieren durch das nette Universitätsviertel in die Stadt und landen in der Fußgängerzone. Um 10 Uhr haben wir uns am Markt mit Ina und Joshua verabredet. Die beiden finden für ihren Bus deutlich leichter einen Platz zum Abstellen. Da die beiden aber noch ganz verschlafen waren, als wir losfuhren, rechnen wir eigentlich nicht damit, dass sie schon da sind. Am Ende warten sie aber schon auf uns.

Wir bummeln über den auf Touristen ausgerichteten Markt, wo Fisch (auch Wal), Elch und Rentier, aber auch Souvenirs angeboten werden und am Hafen entlang. Dort treffen wir wieder auf unsere Freunde, die Kreuzfahrtschiffe. Ihre Passagiere sind uns schon in der Stadt vor und über die Füße gelaufen. Hier liegt unter anderem ein Monster der Disney Cruises, aber ach die MS Deutschland, das Ex-Traumschiff, vor Anker. Wir hatten gelesen, dass deren bisherige Reederei vor kurzem Insolvenz anmelden musste und so wundern wir uns. Google hilft aber weiter: Die Deutschland wurde Mitte Mai vor Gibraltar an einen ungenannten Käufer übergeben. Was sie aber hier noch Bergen treibt, bleibt uns verborgen.


Hanseviertel Bryggen


Nachdem wir die ehemalige Festung der Stadt auf Umwegen durchquert haben (es wird hier gerade das Equipment für eine Veranstaltung aufgebaut) besichtigen wir den alten Hanse- Kai der Stadt - Bryggen. Dieses Viertel steht auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste und repräsentiert ein Handelsviertel in Holzbauweise, wie es früher in vielen Hanse-Städten anzutreffen anzutreffen war Auch hier sind wieder eine Menge Touristen aller Art unterrwegs - vom Backpacker bis zum per Selfie-Stick filmenden Kreuzfahrer. Beeindruckend ist das Areal trotzdem.

 

 

Wir beenden unsere Tour mit einem Kaffee in der Hand in der Fußgängerzone und beobachten das lebhafte Treiben.

 

Das nächste Ziel ist die Hochebene Hadrangervidda.

 


komplitziert oder einfach

Das Mautsystem in Norwegen


Mautsystem in Norwegen
Je weiter man in Norwegen in Richtung Süden kommt, um so häufiger trifft man nun auf Mautstrassen. Das Maut-System ist hier mehr als kompliziert. Wichtig zu wissen ist, dass man grundsätzlich nichts verkehrt machen kann, denn man bekommt nach einigen Wochen automatisch eine Rechnung aus Norwegen.

Man kann aber Geld sparen, indem man sich vorbereitet, aber das ist kompliziert und ändert sich immer wieder. Wer Geld sparen möchte, sollte sich im Netz kundig machen. Wir haben uns vor Antritt der Reise registriert und eine Kreditkarte hinterlegt, von der Beträge abgebucht wurden. Auch gibt es einige Strecken, die manuell bezahlt werden müssen.

 

Wir haben uns für die HInterlegung der Kreditkarte entschieden, fragen uns aber immer häufiger, ob das im Anblick des intransparenten Systems wirklich eine gute Idee war. Erstens kann man den Mautstrassen nicht entgegnen, denn die Maut wird erst angekündigt, wenn keine Möglichkeit zur Umfahrung mehr besteht, zweitens kann man nicht erkennen, für was man eigentlich zahlt und drittens wird zwischen PKW und Fahrzeugen über 3,5t unterschieden, und wir verstehen nicht, woher die Norweger eigentlich wissen, dass unser so "großer" Paul weniger als 3,5t wiegt. Dann sind die Preise, wie immer, ohnehin gesalzen, aber für große Fahrzeuge sind sie auch noch gepfeffert. Bei der Durchfahrt eines Tunnels (siehe Bild - zugegeben der Kreisverkehr im Berg ist schick ausgeleuchtet)  lag der Preis für PKW beispielsweise bei ca. 20 Euro für Fahrzeuge über 3,5t aber gleich bei ca. 80 Euro. Es bleibt uns nicht weiter übrig, als abzuwarten.

 


Wir haben den Abend und die Nacht nach dem anstrengenden Tag in Bergen verbracht. Die Sonne liess die Außentemperatur von etwa 12° Grad fast sommerlich erscheinen. Für einheimische Jugendliche sogar so sehr, dass Badehose und Bikini ausgepackt und in den eisgekalten Fjord gehüpft wurde.


Abstecher

Vøringsfossen


Unterwegs machen wir noch einen Stop an einem sehenswerten Wasserfall mit dem Namen Vøringsfossen.

 

Der steil abfallender Wasserfall soll eines der berühmtesten Naturschauplätze Norwegens sein.

  • Parkplatz zu den Wasserfällen: GPS 60°25'35.6"N 7°15'17.1"E

 


zurück in den Winter

Nationalpark Hardangervidda


Wohnmobile in der Hardangervidda mit Schnee
Hardangervidda im Sommer

Für uns heißt es am nächsten Morgen den Sommer hinter sich zu lassen. Wir fahren in die Hardangervidda, eine große Hochebene, die im Mittel über 1000 Meter hoch liegt. Hier oben wurde 1981 der mit etwa 3.500 Quadratkilometern Fläche größte Nationalpark Norwegens ausgewiesen.

Das auch als Plateaufjell bezeichnete Gebiet ist der Überrest eines urzeitlichen Gebirges, das durch die Gletscher der Eiszeiten abgeschliffen wurde. So entstanden weite Ebenen, flache Seen und wenige sanft ansteigende Berge, die bis etwa 1700 Meter hoch werden.

 

Wir befinden uns jetzt oberhalb der Baumgrenze; es herrscht Arktisches Klima. Plötzlich ist es, wie schon häufig in den Tage zuvor, wieder Winter. Schnee, Eis und kein Grün um uns herum. Komplett zugefrorene Seen komplettieren das Bild.

Wir folgen der Fernstraße 7, die sich als eine der wichtigsten Verbindungen nach Nordschweden durch die Hardangervidda zieht. Auch wenn das Hochplateau schon seit 1000 Jahren von Menschen als Transportweg genutzt wird, war der Bau richtiger Straßen aufgrund der schwierigen landschaftlichen und klimatischen Verhältnisse aufwändig. Schon zum Anfang des letzten Jahrhunderts mussten die vielen Flüsse durch Brücken überwunden werden. Das erste Auto für hier in den 1930er Jahren. Heute helfen neben Brücken viele Tunnel die Strecke einfach befahrbar zu machen. Trotzdem bleibt sie im Winter oft komplett gesperrt, der Schnee liegt hier dann meterhoch.

 

Uns gefällt diese raue und oft ungezähmte Natur, aber im Gegensatz zu den Weiten Lappland sind diese schnell durchfahren und wir kehren zurück in grüne Täler, in denen Landwirtschaft bis hin zum Obstbau betrieben wird.

 

Unser nächstes Ziel ist die Hauptstadt Norwegens:


die bunte Stadt

Oslo - die Hauptstadt Norwegens


Oslo in Norwegen mit dem Wohnmobil

Heute steht Oslo auf dem Programm. Norwegens Hauptstadt hat ca. 640.000 Einwohner (ähnlich wie Frankfurt/Main) und kann mit Bezug auf die insgesamt nur 5 Millionen Norweger sicher als Großstadt bezeichnet werden. Da das Parken hier kein Zuckerschlecken sein soll, parken wir unseren Paul auf einem Wohnmobilstellplatz etwas außerhalb der Stadt. Das ist sicher nervenschonender als in der Innenstadt einen Parkplatz zu suchen und sicherer ist es allemal.

  • Wohnmobilstellplatz Oslo:
    GPS 59°55'11.5"N 10°40'30.5"E

Hafenpromenade

Mit dem Fahrrad geht es in die Stadt. Um 14 Uhr sind wir mal wieder mit Ina und Joshua (Ihr wisst schon - die Zwei mit dem blauen VW-Bus) vor dem Rathaus von Oslo verabredet. Unser Weg führt uns am Wasser entlang in die Innenstadt. Gleich zu Beginn der Hafenpromenade wird es so voll, dass wir die Räder lieber schieben. Wir schlendern durch ein Viertel, in dem "Sehen und Gesehen werden" das Motto ist. Man sitzt in den Cafes und Bars draussen, dazwischen Galerien und andere schicke Läden. Die moderne Architektur gefällt uns.

 


Rathaus und Oper

Unser Treffen am Rathaus klappt und wir marschieren zu Viert weiter entlang des Hafens mit den Fähren nach Kiel und anderswo, Motorbooten und Segelschiffen und an und unter Ladekränen und anderem Gerät. Hier ist es wenig attraktiv. Wir wollen zur 2008 eröffneten Oper, die direkt am Wasser liegt und an einen Eisberg erinnern soll. Michael schwächelt - ihm ist es bei knapp 20 Grad einfach zu warm - und bewacht lieber die Fahrräder. Er verpasst nichts. Der Bau als solcher ist sehenswert, die Aussicht von oben auf die Stadt weniger.

 

Zurück geht es vorbei an der zum Teil immer noch vom norwegischen Militär genutzten Festung. Auf dem Rathausplatz findet gerade eine Militärparade statt und es werden Zelte für ein Fest aufgebaut. Hier trennen wir uns von Ina und Joshua, wollen aber später zusammen mit dem blauen VW-Bus einen Platz für die Nacht außerhalb von Oslo suchen.


Oslo ist eine sehr lebendige Stadt in toller Lage am Fjord. Gefallen hat sie uns aber trotzdem nicht.

 

Wir verlassen jetzt den Süden Norwegens und entscheiden uns spontan, an den Hornborga-See nach Schweden zu fahren:


Beobachtungshüllten, Infozentrum und tausende Vögel

Hornborga See im Juni


Der Hornborga See - ein Traum für Ornithologen
Der Hornborga See - ein Traum für Ornithologen

Der Hornborga See entpuppt sich als ein blanker Traum. Eine herrliche Landschaft, tausende Vögel, Beobachtungshütten, ein Infozentrum und das alles für Besucher kostenfrei und leicht zugänglich - Schweden eben. Und dazu gibt es auch noch Sonnenschein pur. 

 

Der Hornborga-See oder schwedisch: Hornborgasjön ist einer der bekanntesten Vogelseen Schwedens und liegt in der Provinz Vastergötland. Ende des 19. Jahrhunderts wäre der See beinahe der Landgewinnung zum Opfer gefallen. Durch eine Absenkung des Wasserspiegels zur Trockenlegung des Gebiets schrumpfte die Seefläche und versumpfte letztlich fast völlig. Nach einer Umfassenden Renaturierung, während der der Wasserspiegel wieder um fast einen Meter angehoben wurde, bedeckt der See heute eine Fläche von 30 Quadratkilometern. Der dichte Schilfgürtel, der den heute rund zwei Meter tiefen See, umgibt, dient vielen Vögeln als Brutstätte. Im Frühjahr und Herbst kommen auch Heerscharen von Zugvögeln vorbei, darunter viele Kraniche.

 

Im Naturzentrum (Naturum Hornborga) kann man sich bei eine Besuch mit Informationsmaterial eindecken. Hier befindet sich auch ein Parkplatz auf dem das Übernachten gegen Gebühr erlaubt ist. Auf einer Wiese neben dem Zentrum, die man über einen Holzsteg erreichen kann, stehen wie so oft in Schweden Grillplätze (mit Feuerholz) ohne Gebühr zum Allgemeingebrauch zur Verfügung. So ist Schweden....

 

Michael ist heute schon um 5 Uhr morgens mit der Kamera auf Vogelpirsch. Und wie seine Fotos zeigen, hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.

 

  • mehr Infos zum Hornborga See: hier

Das Fazit unserer Nordkap-Reise


Als wir losfuhren, hatten wir grob die Lofoten als Ziel gesetzt. Wir waren aber im Zweifel, ob wir es wirklich so weit nach Norden schaffen würden. Nie hätten wir gedacht, dass wir am Ende am Nordkap stehen und die Lofoten auf unserem Rückweg gen Süden besuchen würden.

 

Norwegen wartet mit spektakulären Landschaften auf. Hier gibt es Postkartenästhetik en gros. Entsprechend treten sich aber auch die Touristen gegenseitig auf die Füße und manchmal hat man fast den Eindruck, mehr als Einkommensquelle denn als Gast angesehen zu werden. 

 

Schweden hingegen  ist für uns das Land der eher stillen Schönheit. Aufgeräumt, organisiert - einfach nett ist es hier. 

 

Norwegens unter Schutz gestellte Natur ist entsprechend dem Gedanken des skandinavischen Jedermannsrecht für jeden "benutzbar"; das touristische Angebot reicht selbst in abgelegenen Gegenden von Wandern bis  Rafting. Jedermann kann hier etwas erleben, es wird aber nicht versucht, Jedermann Natur nahezubringen.

 

Anders in Schweden. Auch hier gilt das Jedermannsrecht. Auch hier steht der Zugang zur Natur jedem offen. Neben der Zugänglichkeit, die hier auch Menschen mit Behinderung einschließt, wird Natur aber nahegebracht und zumindest der Versuch unternommen, sowohl Wissen als auch Verständnis zu vermitteln.

 

Letztendlich hat es uns in Lappland, egal ob schwedisch oder norwegisch, am Besten gefallen. Die rauhe Landschaft dort hat uns gefangen genommen. Unsere Sympathie aber gehört Schweden.


Die beste Reisezeit:


Wir haben es richtig gemacht. Wir sind Anfang Mai gestartet und sind Juli wieder zuhause gewesen. Die Straßen waren im Wesentlichen schneefrei, die Temperaturen nach dem Winter schon angenehm, es war nicht viel los, da noch keine Schulferien waren und ... ganz wichtig:

 

Mücken waren noch nicht aktiv.

 


Tipp für eine tolle Herbstreise:

Indian Summer und Polarlichter

Unsere Herbstreise führte uns über Finnland entlang der russischen Grenze nach Lappland. Wir erleben den Indian Summer, besuchen Husky-Farmen und beobachten Polarlichter.



Die Reise-Etappen im Überblick:


N23/750

 

 

 

Besuche seit 15.12.23 / 2.24: 64

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